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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 476

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 476)
Language
German
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IRI
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(1499), Pilsen (1504), Iglau (1506) usw. Alles dies spricht für die bauliche Beeinflussung bei der Erstellung der großen Synagoge. Während das Prager Urbild im Lichten 14.30 x 8.40, also rd. 120 qm groß ist, zeigt das Krakauer Beispiel 17.70 x 12.40 oder rd. 220 qm. In Prag beträgt die Höhe bis zum Gewölbescheitel 9.70, in Krakau 10.15 m, so daß hier der größere Innenraum durch die nur unwesentlich größere Höhenabmessung gedrückter erscheint. Die Altneusynagoge ist ein Kleinod gotischer Baukultur; ihre formale Gestaltung ist einheitlich, wie aus einem Guß geschaffen. Der leider nicht bekannte Künstler scheint an den gleichzeitigen gotischen Bauwerken Prags gut geschult, er beherrscht die ängstlich gehüteten Innungsgeheimnisse aufs beste und schuf damit ein Werk, das seinen Ehrenplatz in der Geschichte der Gotik behauptet. Das rabbinische, durch den Pogrom von 1389 veranlaßte Verbot, an den Wänden des Gotteshauses Veränderungen vorzunehmen, hat dieses vor entstellenden Umbauten glücklich bewahrt. Eingangsportal und heiliger Schrein sind pietätvoll erhalten worden, ersteres besonders dann, als es die Anbauten späterer Jahrhunderte bedrohen konnten. Auch die damals angebrachten Hörluken für die Frauenabteile sind in ihren Ausmaßen bescheiden angeordnet. Als man in Krakau zweieinviertel Jahrhunderte später13 zum Bau schritt, war die Gotik abgestorben, ihre Baugesetze waren vergessen, welsches Kunstempfinden beherrschte die zeitgenössische Baukultur. Umso auffallender mag die Übernahme des gotischen Vorbildes erscheinen; viele technische Fehler des Neubaues sind auch hierdurch erklärlich. Die Außenmauern sind in Prag 1.35 m bei einer lichten Spannweite der Gewölbe von nur 3.80 m; in Krakau sind die bezüglichen Maße 1.25 und 5.80 m, die Mittelstützen sind 85 cm (Prag) und 60 cm (Krakau). So darf es nicht wundern, wenn der Krakauer Baumeister sich veranlaßt sieht, die durch die schwachen Mauern gefährdeten großen und kühnen Gewölbe durch Aufmauern einer 4.20 m hohen Attika zu sichern, deren Auflast den Gewölbeschub aufnimmt. Und an dieser Attika nun mit ihrer breitgelagerten hohen Fläche lebt sich das Kunstempfinden des Meisters besser aus als im gotischen Hallenraum. Hier, aber ebenso beim Eingangsportal und selbst bei den kreisrunden Stützen der gotischen Kreuzgewölbe und deren Kapitäle, wendet er die neuen Formen der Renaissance an, die von Bona Sforza, der Gemahlin Sigismunds I. (ab 1518), eifrig aus Italien importiert wird und in dem Grabmal des Königs im Wawel ihren Höhepunkt findet.14 Auch in Krakau sind Anbauten für die Frauen und Vorhallen später angefügt worden, ebenso stillos wie in Prag, das scheinbar auch in dieser Hinsicht Vorbild war. Die in der Zeichnung mit Gewölben angegebenen Annexe sind wohl dem siebzehnten Jahrhundert zuzuschreiben; noch im 464

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