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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 475

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 475)
Language
German
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IRI
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wesen sein10, obgleich dies wenig wahrscheinlich erscheint. Man kann annehmen , daß dieser niedrigere Vorbau ein abgewalmtes Dach besaß und daß der Zusammenschluß der Dachflächen, wie es im sechzehnten Jahrhundert des öfteren geschah, durch einen Blechknauf bewirkt wurde, den man in üblicher Art mit Gründungsurkunden, hier auch mit Bibelseiten, füllte. Wenn der Chronist von einem Turm spricht, so ist dies mehr formal als technisch zu verstehen. — Die eigenartige Verbreiterung des östlichen Strebepfeilers in seinem unteren Teil läßt auf nachträgliches Ausbrechen der Nische für den heiligen Schrein schließen, die eine Verstärkung der Mauer an dieser Stelle vielleicht notwendig gemacht hatte. Die Alt-Synagoge auf dem Kazimierz in Krakau. Wenn Martin Luther von den Juden sagen konnte, daß sie in Prag „der besten Nester eines hätten", so ändert sich dies schon Ende des dreizehnten Jahrhunderts, kurz nachdem sie ihre Synagoge beendet hatten, als deren Erbauungszeit der Verfasser nach wie vor die für ein derartiges Bauvorhaben unbedingt notwendige, besonders günstige Zeit Ottokars II. ansehen möchte. Schon 1298 ändern sich die Verhältnisse der Prager Judenschaft, von der Balaban annimmt, daß einzelne Familien unter Wenzel II., dem Sohne Ottokars und gleichzeitigen Herrscher in Böhmen und Polen, nach letzterem Lande auswanderten. Man kann annehmen, daß diese Emigration während des ganzen vierzehnten Jahrhunderts erfolgte, wozu das Martyrium von 1389 nicht wenig beigetragen haben mochte. Diese Zuwanderung aus der Prager Gemeinde wird schließlich den eingesessenen polnischen Juden unbequem, und 1509 kommt es zu offener Revolte, die erst zehn Jahre später durch Sigismund I. beigelegt wird. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, daß der Einfluß dieser starken Minorität in Krakau sich bei der Erstellung der großen Synagoge durchsetzte, die, wenn auch stark verwässert, den Typus der Altneusynagoge wiederholt. Die beiden hier vorhandenen älteren Gotteshäuser werden 1469 geschlossen, der Judenschaft wird ein anderes Stadtviertel zugewiesen, das 1494 einem Brande zum Opfer fällt. Nun erfolgt eine neuerliche Umsiedlung auf die Vorstadt Kazimierz, wo sich seit 100 Jahren bereits eine kleine Judengemeinde befand.11 In der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts ist hier eine besondere böhmische Judengemeinde12 vorhanden, die durch die den Prager Juden in den Jahren 1507, 1510, 1517 und 1524 bereiteten Feindseligkeiten nicht unwesentlich verstärkt worden sein mochte. Aber auch aus anderen Städten der böhmischen Krone erfahren wir von Judenausweisungen in jenem Zeitraum: aus Karlsbad 463

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