Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 470)
- Language
- German
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Die Kirche St. Salvator in Oels. Mittelalterliche Urkunden berichten von 42 größeren und kleinen Judensiedlungen in Schlesien, außer Breslau, wo bereits 1150 und 1200 Juden ansässig waren. Aber nur aus 15 dieser Gemeinden sind uns direkte Nachrichten über die Einrichtung von Betstuben, bzw. Synagogen überkommen. Für die numerische und finanzielle Stärke dieser Gemeinden mag als bezeichnend erscheinen, daß deren vier massive Gotteshäuser erstellten, die noch heute, allerdings in völlig anderer Zweckbestimmung, vorhanden sind. In einem Aufsatz „Synagogen-Kirchen in Schlesien" hat der Verfasser drei dieser Bauwerke nach eigenen zeichnerischen Aufnahmen veröffentlicht (Denkmalpflege und Heimatschutz, Preuß. Minist.-Ztschr. Nr. 4/5, 1929); es sind dies St. Salvator in Oels, St. Barbara in Striegau und St. Adalbert in Jauer. Die Studien über die ehem. Synagoge in Schweidnitz sind noch nicht abgeschlossen5. Von diesen vier Städten, einstmals Sitz von Piastenherzögen und Zentren beachtlicher alter Baukultur, sei hier nur Oels6 besprochen, dessen ehemalige Synagoge völlig nach dem Prager Muster erstellt wurde. Und das war kein Zufall; denn urkundlich wird hier der jüdische Buchdrucker Chajim Schwarz aus Prag (!) erwähnt, der 1529 mit seinem Teilhaber David ben Jonathan, vermutlich gegen ein hohes Schutzgeld, eine jüdische Buchdruckerei errichtete. Am 29. Juli 1532 wird der erste Bibeldruck vollendet7, der erste hebräische auf deutschem Boden, wenn man von Prag absieht. Schwarz übersiedelt aber schon 1533 nach Augsburg, sein Nachfolger Samuel Heliz8 übernimmt die Druckerei, bis dann 1535 die Auswanderung der Juden aus Oels erfolgt. Dieser Auswanderung ging eine Sturmkatastrophe voraus, die die Ursache der ersteren wurde, indem sie den Wohlstand der Gemeinde vernichtete; vielleicht mögen auch religiöse Gründe maßgebend gewesen sein. Denn dieser verheerende Sturm vom 1. September 1535, dem Tage nach dem Neujahrsfest, hatte 60 Häuser, größtenteils solche der Juden, völlig zerstört, ihre Bewohner auf die Straße geweht. Zerstört wurde auch vollständig das Gebäude der Druckerei. Der Rektor und fürstliche Bibliothekar, Sinapius, berichtet hierüber in seiner Oelsnographie (1706) wie folgt: „... Die Druckerey worinnen die Juden das Alte Testament sambt der Auslegung / Hebräisch druckten / riss das Wetter sambt dem Gemach / welches sie mit gedruckten Exemplarien bereits erfüllet hatten / Gäntzlich ein / die Exemplaria flogen alle über die Häuser in das weite Feld / und blieben die Bogen hin und her rings umb die Stadt an den Zäunen und Bäumen / und weiter eine gute Meilweges und drüber von der Stadt / in den Hayden und Wäldern hangen. ..." In der Zeichnung sind die zwei Mittelpfeiler und die Gewölbe restauriert. Abweichend von Prag ist hierbei nur die Anordnung von Diagonal- Strebepfeilern in den Ecken, was durch die schwächeren Außenmauern 459