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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 469

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 469)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644315--2873-2647219
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Die Altneu-Synagoge zu Prag. Im IV. hist. Jahrb. ist die kunstgeschichtliche Bedeutung dieses Gotteshauses sehr eingehend gewürdigt; die im staatlichen Auftrage von Architekt Masak hergestellten Aufnahmen und Zeichnungen unterstützen diese Untersuchungen in wertvollster Weise. Das System der zweischiffigen Halle ist indessen für Synagogenbauten nicht neu. Es wurde zuerst (1034) in Worms angewandt, von da mag es unverändert nach Prag und Erfurt gekommen sein. Aber schon Regensburg variiert den Grundriß, indem dort vermutlich vier Innensäulen verwendet werden, die die beiden Schiffe von einander abtrennen, offenbar um Raum für eine größere Gemeinde zu gewinnen. Aber in allen vorgenannten Beispielen ist das Gotteshaus nur für Männer vorgesehen; erst viel später hat man Räume für die Frauen geschaffen3; ebenso eine Vorhalle, als deren Hauptzweck wohl Wärme- und Windschutz anzunehmen sein dürfte. Ferner — und das scheint mir für die nachstehenden Ausführungen von größter Bedeutung — war es in diesen Synagogen aus gotischer Zeit (Prag, Erfurt, Regensburg) und deren romanischem Vorbild (Worms) bewußte Forderung des Bauprogramms, die Umfassungsmauern des ursprünglichen Kernbaues (also die Männersynagoge ohne die späteren Anbauten) erst in größerer Höhe vom Straßengelände mit Fenstern zu durchbrechen. Dies geschah aus fortifikatorischen Gründen, denn das Gotteshaus sollte in wilden Zeiten ein Refugium sein, wie denn auch dieses Anbringen hoher Fenster als Sicherheit für die Bewohner sich in Palästen des Adels und Bürgertums — es sei auf Florenz verwiesen oder auf das Nassauer-Haus in Nürnberg — als notwendig erwiesen hatte. Besonders aber gilt dies auch für die steinernen Synagogen im Innern Polens4 (Lemberg, Zolkiew, Luck usw.); aber ebenso für Kirchenbauten in Polen und Siebenbürgen.4 Diese beim Bau der Altneu-Synagoge besonders sorgfältig durchgeführte Programmforderung ermöglichte später das Anbringen der niedrigeren Anbauten ohne Änderung des Kerngebäudes. Endlich sei hier auf das Anbringen der fünften Rippen in den einzelnen Gewölbejochen verwiesen, die ohne organische Notwendigkeit eingefügt, offenbar nur bewirken sollten, die Kreuzform zu vermeiden. Diese programmatische Forderung wurde auch bei der später entstandenen Synagoge8 zu Miltenberg am Main gestellt und ist dort recht unorganisch angewendet, offenbar also nur, um dem Prager Vorbild zu genügen. 458

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