Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 473)
- Language
- German
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hier statisch bedingt erschien. Anderseits sind diese Eckpfeiler ein einwandfreies Kriterium für das einstmalige Vorhandensein von Kreuzgewölben. Denn der heutige Bestand zeigt keinerlei Gewölbe mehr; es ist ein ungeteilter Hallenraum, der 1695 als Salvatorkirche geweiht wurde. In den zwischenliegenden Jahrzehnten diente die verlassene Synagoge als Zeughaus. Beim Umbau zur Kirche scheint man die den Blick auf den Altar störenden Säulen entfernt und den freien Innenraum in barockem Geschmack geziert zu haben. Die Kirche, die schon 1730 abbrennt, wird vier Jahre später erneuert und 1910 durch Blitzschlag beschädigt. Die Gemeinde war zweifellos bedeutend; angesehene Juden hatten sich hier niedergelassen. So Abraham „des Emmerichen sun von Ofen", der sich durch ein eigenhändiges Empfehlungsschreiben des Königs Ferdinand ausweisen konnte9 und gegenüber dem Schlosse 1532 ein Wohnhaus erwarb. Durch den Zuzug des Buchdruckers Schwarz und seiner Gehilfen schien nunmehr die Gemeinde finanziell genügend gekräftigt, um zum Bau eines Gotteshauses schreiten zu können. Vermutlich war es Schwarz, auf dessen Anregung hin das Prager Vorbild gewählt wurde; wenigstens läßt sich dies aus den Strebepfeilern schließen, die deutlich auf das zweischiffige System der Altneusynagoge hinweisen. Ob diese Gewölbe wie in Prag fünfteilig gewesen waren, ist nicht nachweisbar. Abweichend von Prag wurde der Synagoge ein Turm beigefügt, den wir vielleicht als eine Art Dachreiter anzusehen haben. Der Chronist Sinapius berichtet hierzu: „... so fand man in dem Knopfe / welchen der Wind von dem Thurm der Juden-Kirche im Seidenbeutel stehende / warff / solcher Bogen die Menge / und also voll / daß auch nicht ein einziger mehr darinnen Raum hatte / jedoch konnte von allen solchen Bogen kein gantz Exemplar zusammen gebracht werden. Bey Anfang solches Wetters sperrten / wie bey ihnen gebräuchlich / die Juden ihre Thüren und Fenster an den Häusern / und sonderlich ihre Synagoge, mit aller Solennität auff / in gewisser Zuversicht / es wäre nun die Stunde vorhanden / daß ihr Messias, sie zu erlösen / kommen würde / als aber der Sturmwind ihre Häuser und Synagoge zerriß /vergaßen sie ihres Messiae, und ließen sich ausdrücklich hören: Wenn ihr Messias nicht anders denn also kommen wolte / solte er nur außenbleiben / sie begehrten seiner auff solche Weise nicht zu erwarten. ..." Was endlich die niedrigen Anbauten anlangt, so ist der westliche Raum vielleicht als Frauenraum anzusehen; er ist zweifellos jünger als der Kernraum, wie man aus der Eineckung des südwestlichen Strebepfeilers ersehen mag. Auch Sinapius spricht von einer „Disposition und Abtheilung vor Männer und Weiber", die 1695, beim Umbau zur Kirche, also elf Jahre vor seinem Bericht, wohl schon vorhanden war. Hingegen konnte der südliche Windfang noch vom Kernbau herrühren, mit diesem zugleich entstanden, vielleicht auch das Fundament zum „Turm" ge- 462