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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 468

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 468)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644315--2872-2647218
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Die Beeinflussung jüdischer östlicher Sakralkunst durch Prager Vorbilder Von Alfred Grotte Vom tiefen Mittelalter bis ins achtzehnte Jahrhundert zeigt sich in der Baukunst der östlich an Böhmen angrenzenden Länder eine Befruchtung durch böhmische, insbesondere Prager Kunst. In erster Linie durch geschichtliche Zusammenhänge, denn, wenn wir z. B. in den Gewölben und Türen des Posener Rathauses den böhmischen Löwen als heraldische Zier finden1, so weist er auf die Regierungszeit Wenzel II. hin, der Böhmen und Polen beherrschte. Auf analoge Zusammenhänge ist das Vorkommen des böhmischen Löwen im Wappen der Stadt Breslau zurückzuführen, der Stadt, die Karl dem Vierten Anregungen zur Befestigung verdankt, sowie den Bau seiner prächtigen Dorotheenkirche. Ficher von Erlach, Dientzenhofer, Ferdinand Brockhoff u. a. m. waren hier und in Schlesien tätig, und besonders die oberschlesische Stadt Neiße weist deutlich in ihren Kirchen und Klöstern auf den Einfluß des nahen Böhmen hin. Um wieviel mehr, angeregt durch das Vorbild der Landesherren und Gastgemeinden, mußten die Juden der schlesischen Piastenherzogtümer und des westlichen Polens ihre Blicke auf Prag werfen, wenn sie daran gingen, Synagogen oder Grabdenkmäler zu errichten. Galt doch Prag, die älteste Gemeinde des östlichen Europa, den Juden im Mittelalter und bis zur Emanzipation als „Mutter in Israel", als Vorbild, zu dem man innige Beziehungen anstrebte. Dieser vorbildliche Einfluß Prags aber erlischt schon bald hinter Krakau, um in den östlichen Gebieten Polens Ansätze zu jenen einzigartigen Kunstäußerungen der Ostjuden — mehr durch polnische Vorbilder beeinflußt — zu bilden, die bei deren Rückwanderung im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert Ausstrahlungen auf deutschem Boden bewirkten.2 Dieser Einfluß Prags auf die Sakralkunst zeigt sich sowohl im Synagogenbau als auch im Grabmalwesen. Und immer ist es hochbeachtlich, daß es stets Prager Etculanten sind, die die Kunstbräuche ihrer Vaterstadt nach dem Osten verpflanzen; ja man kann behaupten, daß sie dort, wo sich in diesen östlichen Äußerungen sakraler Kunst Anklänge an Prag finden, stets auf Prager Juden zurückzuführen sind. Selbst Jahrhunderte später, als die reine Gotik längst durch welsche Bauformen abgelöst war, wird die Altneusynagoge hier das Vorbild für neu zu erstellende Gotteshäuser, wie nachstehend bewiesen werden soll: 457

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