Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 443)
- Language
- German
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Graz, am 31. Jänner 857. Mein sehr geehrter Herr, Ihr letzter mir so werter Brief veranlaßt mich, Ihnen schon wieder zu schreiben. Zuerst brachte mir ein Zufall den heurigen Musenalmanach zu Händen und ich las mit Überraschung darin meine zwei Sonette: den Besiegten. Durch ein Mißverständnis, das ich nur Dr. Schad, mit dem ich im letzten Sommer zusammentraf, aufbürden kann, kamen selbe statt eines anderen Stückes, als ich dazu bestimmte, zum Abdruck. Entschuldigen Sie daher, daß ich Ihnen diese zwei Stücke übersendete; ich werde Ihnen gewiß rechtzeitig statt selber anderes senden. Dann sendete ich Ihr Billet an Schindler (Rechtsanwalt der franz. Eisenbahngesellschaft in Oratriuza im BanateH*; bei unserem jüngsten Zusammentreffen erzählte er mir einen allerliebsten kurzen Novellenstoff, den er schreiben wollte, allerdings für eine andere Bestimmung: es sollte ein Winterstück voll knisternden Schnees und funkelnder Eiskristalle werden; ich beredete ihn nun, das Ding für Ihr Jahrbuch zu schreiben. Endlich erweckten Sie die Lust, für den nächsten Jahrgang desselben auch etwas Prosaisches zu liefern, so daß ich selben in der Tat erfüllen möchte. Eine Novelle in kurzer Zeit zu Stande zu bringen wäre mir ein Leichtes, aber ich möchte bei Ihnen mit Etwas debütieren, das Ihnen und mir Vergnügen machte. Hören Sie nun: ich schreibe eben an einem Roman, der mindestens der beste sein wird, den ich je schrieb und schreiben werde. Die ersten Kapitel exponieren dessen, ich möchte sagen großartige Anlage, enthalten ein paar selbständige Novellenbilder und mehreres Hochsatirische und Humoristische. Wie wäre es, wenn dies zur Verwendung käme. Jedenfalls ließe sich ein späteres drastisch satirisches Bild: Zimbelius Hof daraus verwenden. Wenn Sie gegen ein solches Bruchstück sich nicht schon von vornherein erklären, würde ich die Abschrift machen lassen und Ihnen das Ding zur Einsicht schicken. Sind Sie jedenfalls dagegen, so schreibe ich Ihnen bis Juni längstens eine Novelle, doch wird sie beiweitem nicht so gut, als diese Romankapitel. Ich erwarte Ihre Antwort Ihr Tschabuschnigg NB. Nur bemerke ich, daß dieser Roman die Aristokraten nicht ganz glimpflich behandelt; vielleicht ist dies Ihrem Leserkreise anstößig? Graz, 19. Feber 857. Euer Wohlgeboren, Nach den Andeutungen Ihres letzten Briefes ersah ich, daß ein paar Kapitel meines Romans, auch nicht Zimbelius Hof, obwohl er sich als ein satirisches Bild abschließt, dem Zwecke und der Richtung Ihres Jahrbuches nicht entsprechen; ich habe daher das einzig passende Kapitel, das die frühere Geschichte der Hauptperson des Romanes enthält, etwas geändert, um es zur vollkommen selbständigen Novelle zu umstalten, und hoffe, indem ich es Ihnen sende, Ihren Anforderungen gerecht zu werden .115 Die Detailausführungen des Waldlebens und des Aufenthaltes im Schlosse erscheinen mir recht anziehend. Sie dürfen aus dem vergilbten Papier des Manuskriptes nicht etwa auf einen Ladenhocker schließen: ich habe uralt vorrätiges Papier dazu verwenden lassen. Auch werden Sie sehen, daß die Schrift so maßlos weit ist, daß der Abdruck auf ein paar Bogen zusammenschrumpft. Was das Honorar anbelangt, so kenne ich weder oder richtiger: ist mir das Format des Jahrbuches nicht gegenwärtig, und die Größe des Honorars, das Sie anderen Mitarbeitern zahlen, völlig unbekannt. Ich ersuche also diesfalls um Andeutungen, worauf wir uns leicht verständigen werden. Auch lege ich eine Romanze bei, und werde Ihnen ehestens noch ein kurzes Gedicht senden. 432