Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 437)
- Language
- German
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München, 15. Oktober 56. Verehrtester Herr Doktor! Ein heftiges Unwohlsein, welches mich mitten bei einer größeren Dichtung befiel, die ich für Ihren Almanach bestimmt hatte, und mich allem Anschein nach noch länger plagen wird, machte es mir leider unmöglich, Ihre Wünsche in dem Maße zu erfüllen, wie ich gern getan hätte. Ich mußte, so weh es mir auch tat, die begonnene Arbeit liegen lassen und bis vorgestern das Bett hüten. Gestern und heute habe ich nun eine kleine Reiseerinnerung geschrieben, die ich, wie sie zuerst auf's Papier geworfen ist, Ihnen übersende, es ganz Ihrem Ermessen überlassend, ob sie tauglich für das herauszugebende Werk erscheint oder nicht .M Im letzten Falle haben Sie wohl die Güte, mir das Manuskript gelegentlich zurückzusenden, da ich keine Abschrift davon besitze. Von älteren, noch ungedruckten Sachen finde ich in meinem Pulte nichts als eine georgische Sage, welche ich ebenfalls beilege, für den Fall, daß sie zu dem übrigen Inhalt Ihres Buches passen sollte. Ich kann aber diesmal nichts tun als meinen guten Willen zeigen; wäre ich früher von Ihren Wünschen in Kenntnis gesetzt, so hätte ich Bedeutenderes liefern können. Ihr von mir sehr geschätztes Werk „Slaven und Türken"95 habe ich allerdings erhalten und mich nur deshalb noch nicht dafür bei Ihnen bedankt, weil ich gern zugleich eine Besprechung des Werkes übersenden wollte, welche ich voriges Jahr für die Allg. Ztg. geschrieben habe, welche aber leider bis heute nicht gedruckt ist und wahrscheinlich auch nicht gedruckt werden wird, wie ich jetzt annehmen muß, nachdem Kolb von zwei größeren literarischen Aufsätzen, in welchem etwa ein Dutzend Bücher besprochen waren, den Nro. II bezeichneten vor ein paar Monaten in der Beilage gebracht hat, während der I. noch gar nicht erschienen war. Solche Konfusionen kommen häufig vor. Ich schickte das Manuskript während Kolbs Krankheit im vorigen Jahre an Altenhöfer, der es, nebst anderen Aufsätzen von mir ruhig liegen ließ, bis Kolb nach Augsburg zurückkehrte, den ich bald darauf besuchte und ihn bat, die Sachen doch endlich zu bringen. Etwas davon wurde dann auch in der bezeichneten Weise wirklich gedruckt; das Übrige aber scheint verpoltert zu sein, denn ich kann das Manuskript nicht zurückerlangen. Übrigens haben Ihre Bücher von jeher an mir einen aufmerksamen und Sie hochschätzenden Leser gehabt und zur Zeit, da ich noch Redakteur der Weserzeitung war,96 habe ich im Sonntagsblatte eine ausführliche Besprechung Ihrer „Südslavischen Wanderungen" gebracht, die mir schon vor Erscheinen des Gesamtwerkes aus den Feuilletons der Prager Zt. (wenn ich nicht irre) bekannt waren. Ich muß schließen, da meine Augen sehr angegriffen sind. In aufrichtiger Verehrung Ihr ergebenster Friedrich Bodenstedt. Verehrtester Herr Doktor! In Beantwortung Ihrer geschätzten Zuschrift vom 10. d. M. beeile ich mich, Ihnen mitzuteilen, daß es für Einsendung von Büchern an S. Majestät eine vorgeschriebene Form gibt, welche selbst diejenigen nicht umgehen dürfen, die in der Umgebung des Königs leben. Nach dieser Form hat man die schriftliche Anfrage an den Sekretär des Königs, Herrn Kabinettsrath Pfistermeister zu stellen, ob es gestattet sei, das näher zu bezeichnende Werk S. Maj. zu Füßen zu legen. Da solcher Anfragen täglich viele kommen nicht immer alle gleich berücksichtigt werden können, so könnte es vielleicht von Nutzen sein, in dem Schreiben zu bemerken, daß ich mich sowohl in der Presse wie auch in brieflichem Verkehr auf das Günstigste über Ihr Werk ausgesprochen habe. - Es freut mich, daß Sie etwas von meinem Manuskript haben brauchen können, wie mir Geibel^7 schon früher mitteilte. Ich bin begierig zu erfahren, was? Das Jahrbuch ist mir noch nicht zu Händen gekommen. Für das kommende Jahr dürfen 426