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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 435

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 435)
Language
German
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IRI
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Ich war in letzter Zeit teils unwohl, teils in meinem Bureau unmenschlich beschäftigt und endlich von dem Tode Brucks ,87 den ich persönlich sehr gut kannte, so in Anspruch genommen und erschüttert, daß ich - buchstäblich - keine Minute Zeit zu meinem Dankschreiben an Sie finden konnte. Sie verzeihen mir wohl!? Meine Frau grüßt Sie aufs herzlichste und bittet Sie, uns doch einmal wieder zu besuchen. Empfehlen Sie mich doch auch Ihrer lieben Frau, der Schwester meines Jugendgenossen Hartmann!88 Stets Ihr Dr. Leop. Kompert. 22. Brief von L. A.Franklfi* Verehrter Freund! Als Doktor der Medizin mußt Du wissen, wie einem Menschen zu Muthe ist, der die Gicht im Schädel hat. In dieser schrecklichen Situation befinde ich mich, seit mir Teplitz, Karlsbad, Gastein die Gicht aus Händ und Füßen richtig ins Gehirn gejagt haben. Seit dem Tode meines Bruders im Nov. 1859, wo ich mir in Folge der heftigen Gemütsbewegung und einer Erkältung einen Icterus zuzog, ist meine Gesundheit gebrochen und dann schmeckt das Leben wie gebrochener Wein eben! Ich schreibe Dir all das, damit Du mich entschuldigst, wenn ich eben erst jetzt Dir für die liebenswürdige Zusendung des „Böhmerland4'90 danke, es hat mich doppelt erfreut, als das, was es ist und mehr noch als eine mir so angenehme Versicherung, daß Du meiner freundlich gedenkst. Wenn ich Dir von meinem Jammer erzählte, so halte ich es auch für meine Pflicht, Dir einiges von meinem Glück zu sagen: Wir haben zwei kräftige und durch Schönheit ausgezeichnete Buben. Dagobert Bruno heißt der ältere, Lothar Amadeus der jüngere.91 Du weißt, man verschreibt zu einem bitter schmeckenden Medikament irgend einen Sirub, so mußte ich den Namen Frankl durch die Vornamen in Etwas meliorieren. Unseren ältesten Egon Ernest entriß uns nach zwölfstündigem Breuneanfall der Tod, als der jüngste eben erst vierzehn Tage alt war. Wir litten unsäglich und der Schmerz ist nicht überwunden. An literarische Arbeiten kann ich jetzt nicht denken, überhaupt kaum denken, intensiv wenigstens nicht. Das Kopfleiden ist zu heftig und schon die wenigen Dir vorliegenden Zeilen erhöhen es. Ich habe mich seit sieben Wochen der Hydropathie ergeben. Ich gehe in jetziger!! Jahreszeit täglich morgens sechs Uhr ins „Brünnlbad" hart an der Hernalser Linie. Denke Dir den Weg und die Beschwerde der Kur selbst. Ich war in diesem Briefe ausführlicher als es sich mit meinem Leiden verträgt, weil ich Dir exemplifikatorisch sein wollte, wie Du mir ebenfalls ausführlich von Dir und Deinen Arbeiten und Zuständen schreiben sollst. Wie geht es Dir und Deiner Frau? Wir grüßen Euch freundlich und hoffen bald von Euch zu hören. Widme eine verlorene Stunde eines langen Winterabends zu einer Mitteilung. Noch einmal, lieber Freund! herzlichen Dank für Deine gütige Sendung, die mich lebhaft interessiert. Man hängt, wie auch die geistige Richtung sei, mit dem Geburtslande doch durchs Gemüt unlöslich, wenn auch häufig unbewußt, zusammen. Ein czechisches Wort, ein Bild aus der Heimath weckt 1000 Erinnerungen, die der Seele wert und wehmutvoll vertraut sind. Herzlichen Gruß von Deinem Dir treu anhänglichen Frankl. Wien, 24. Nov. 1863. 424

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