Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 429)
- Language
- German
- Belongs to
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gedruckt. Er schrieb: er würde die Wahl eines andern Verlegers als einen Bruch der persönlichen Verbindungen zwischen uns betrachten und in Berücksichtigung vieler Verhältnisse ging ich wieder zu ihm zurück. Ich bin mit dem Buch recht sehr zufrieden und halte es für amüsant. Jetzt bin ich wieder am Trauerspiel^ beschäftigt, das in zwei Monaten spätestens fertig sein muß, und will dann eine poetische Erzählung schreiben, deren Erfindung mich eben jetzt sehr freut. Nun erzähle aber Du mir, wie es Dir geht, wie Dir die Praxis mundet, ob Dir doch Zeit zum Schreiben übrig bleibt? Einen Brief, auf den ich ganz fest zähle, sende (meinem Vater nicht) an Grunow, der immer von meinem Aufenthaltsort unterrichtet sein wird. Ich freue mich auf ihn ganz ungeheuer, denn wie wenig kommt mir noch zu von alten Freunden, und wie einsam und allein fühle ich mich oft! Bunt und wechselvoll, oft recht interessant ist dies Leben eines Reisenden, aber auch oft wie traurig! Manchmal ist einem wie einem Verirrten! Nun lebe wohl, teurer alter Freund! Sehr froh war ich zu hören, daß ich Deiner Braut nicht unbekannt war und ich habe mir demnach erlaubt, einige Zeilen an sie zu richten, die Du ihr vielleicht zusendest. Ach, fände ich doch auch irgendwo die Rechte! Ich glaube ganz fest, daß der Hebbelsche Vers wahr ist. Wo Mann und Weib fest aneinander halten, Da ist der Kreis, der feste Kreis geschlossen, In dem die höchsten Menschenfreuden wohnen. Lebe wohl, mein lieber Siegfried, und sei recht glücklich! Dein treuer Meißner. Prag, 19. Oktober 1854. Bester Freund! Ich antworte umgehend. Wenn Du in besagter Affäre Dich nach Paris wenden willst, so ist es am besten, wenn Du an Szarvadyßö schreibst. Dieser ist ja Hartmanns genauester Freund. Seine Adresse ist: 12 Rue St. Georges (homme de lettres). Sollte diese Adresse Dir polizeüich verfänglich erscheinen, so wähle die Aufschrift an Madame Klauss oder Madame Caroline de Perusset, deren Begleiterin; diese beiden Damen wohnen im selben Hause und Szarvady ist täglich bei ihnen. Auch ich spähe unruhig und besorgt nach einer auftauchenden Kunde, doch weiß ich, daß oft ein einziger verloren gegangener Brief grundlos in die ärgste Angst versetzen kann. Nein, Hartmann ist nicht tot! Das wäre nimmermehr unbekannt gebheben, er lebt, ein Brief ist fehl gegangen, liegen geblieben usw.70 Die Musikalien will ich sogleich an Dich abgehen lassen. [Eine Zeile unleserlich.] Vor der Hand, bester Freund, kann ich noch nicht bestimmen, wann ich von Deiner freundschaftlichen Erlaubnis Gebrauch machen werde. Damont will meinen Roman zu drucken anfangen und ich sehe, daß ich in mehreren Kapiteln nachhelfen muß. Da muß ich mit jeder Stunde geizen und von Früh bis Abend zu Hause sitzen. Jedenfalls schreibe ich früher. Meine gehorsamen Empfehlungen an Deine Frau Gemahlin! Herzlichst grüßend Dein treu ergebener Meißner. Karlsbad, 4. Sept. [1856]. Mein bester Freund! Falls es mir möglich ist, sende ich Dir eine Novelle für Dein Album. Ich habe zwar nichts der Art vorrätig, ich möchte aber um jeden Preis beweisen, wie gerne ich Dir bei Deinem neuen Unternehmen zu Diensten wäre, und werde demgemäß dieser Tage eine Novellenidee, die ich seit längerer Zeit mit mir herumtrage in „An- 418