Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 421)
- Language
- German
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12. Brief der Frau Anna Kapper an Moritz Hartmann** Es scheint mir schon sehr lange zu sein, seitdem ich nicht an Dich geschrieben, doch habe ich darum nicht minder mit inniger Liebe und Teilnahme Deiner gedacht. Du hast uns, lieber Moritz, seit letzter Zeit sehr viele Sorgen verursacht, die leider diesmal nicht wie sonst früher unbegründet waren. Es traf uns dies alle tief, leider aber am tiefsten unsere gute Mutter.37 ich kann Dir das nicht verhehlen und ich muß Dir offen sagen, daß diese mannigfaltigen Sorgen und der unausgesetzte Kummer an ihrem Gemüthe zwar still aber der Art nagen, daß ihre Gesundheit sichtlich darunter leidet. Würdest du sie jetzt sehen, wie sie ist, Du würdest in ihr schwerlich die starke kräftige [Frau]38 von sonst erkennen, sondern eine von Sorgen gedrückte Gestalt finden. Ein einziger Wunsch ist es, mit dem sie so zu sagen wacht und träumt und der ist, Dich wieder zu sehen. Sie kennt zwar die Hindernisse, die dem entgegenstehen so gut wie wir, allein sie hofft immer, Du werdest das Opfer zu bringen wissen, sie zu überwinden, und es gibt Tage, wo sie geradezu jeden Augenblick Dir entgegensieht und bestimmt glaubt, daß Du in der nächsten Stunde kommen mußt. Darum mein theuerer Bruder beschwöre und bitte ich Dich, thue Dein Möglichstes, um in Dein Vaterhaus zurückzukehren, und wäre es auch auf noch so kurze Zeit. [Koste]t38 es Dich auch ein Opfer, so [wir]st38 Du es wohl am besten fühlen, wem Du es bringst. Was uns betrifft, kann ich Dir das Beste sagen. Wir leben glücklich und zufrieden, und wenn uns etwas abgeht, so sind es öftere Nachrichten von Dir, die wir wohl haben könnten, wenn Du es einrichten könntest, daß die Köln. Ztg., die Du gewiß sonst frei nach Paris bekommen hast, anstatt dessen, solange Du im Orient bist, an die Eltern oder an uns geschickt würde. Kapper meint, daß das, wenn Du ein Frei-Expl. bekommst, wohl möglich wäre. Und so schließe ich mit dem Wunsche, recht bald von Dir Nachrichten zu haben, und zwar recht erfreuliche, was sehr wohl thun würde dem Herzen [Deiner]38 Dich liebenden Schwefster] .38 Anna Kapper. 13. Zwei Briefe Kappers an Moritz Hartmann** Dusnik, den 3. November 1857. Lieber Freund und Schwager! In einem Augenblicke, da die Gemüter aller unserer Angehörigen zu sehr gedrückt sind, um an Dich zu schreiben, kann ich mich, so schwer es mir auch fällt, der Verpflichtung nicht entziehen, sei es auch aus noch so betrübendem Anlasse, sie zu vertreten. Seit dem 1. November V2I2 Uhr Nachts gehört unsere theuere Mutter nur mehr unserer Erinnerung an. Die Catastrophe, als eine seit mehr als einem Jahre vom Standpunkte der natürlichen Anschauung der Dinge als unausbleiblich vorhergesehen, ist in unserer aller Augen eine dankenswerte Erlösung von namenlosen Leiden. Wir wünschen alle, daß diese Uiberzeugung dazu beitrage, auch Deinen Schmerz durch die Ruhe jener [.....]38 zu mildern, mit welcher der Denkende die Ereignisse zu bettrachten] gewohnt ist! Im Namen der Trauernden Dein treuer Schwager Mr. Maurice Hartmann, Siegfried. Paris, rue Taitbout, hotel de trois freres 410