Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 420)
- Language
- German
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da ich sie im Bezirke vom 31. Mai bis zum 25. September hatte und der einzige Arzt war, dem nicht nur von Amts wegen deren Besorgung oblag, sondern an den sich auch alle Welt wenden kann. Daß es unter solchen Verhältnissen mit »literarischen' Arbeiten nicht viel hieß, magst du selbst ermessen.44 15. August 1856: „Es handelt sich mir darum, mit schonungsloser Ausmerzung alles Mittelmäßigen und Aufdringlichen durchaus vorzügliche Namen und Leistungen zu bringen.33 Für Mendl u. dgl. habe ich entschieden keinen Platz. Lieber breche ich den Vertrag und zahle an den Verleger Entschädigung. Ich habe mich an eine Anzahl tüchtiger Poeten gewandt und auch schon sehr schöne Beiträge erhalten. . .44 8. Dezember 1856: „Wenn Du an die ,Hamburger Nachrichten4 schreibst, so empfiehl mich der Redaktion zu Feuilletons. Es wäre mir lieb, wenn sie die Initiative einer Aufforderung ergriffe, da ich dies nicht wohl tun kann. Ich brauche nach dem Hiebe, den mir die letzte Panique versetzte, verzweifelt Geld und will manches einzeln drucken lassen, was ich sonst zusammenzuhalten gedachte. Dies Nest Dobf is liegt so außer aller Welt, daß ich förmlich vergessen zu sein scheine . . . . . . Ich halte fest darauf Hand, daß der Verleger alles honoriert, damit sich das Buch34 höher hebe als dieses Jahr, wo es schon einen keineswegs unbedeutenden Standpunkt einnimmt...44 9. Dezember 1858: „Für österreichische Blätter freut es mich nicht zu schreiben. Der Ton, der in den Feuilletons fast aller herrscht, ist nichts weniger als ermunternd. Es ist dies der Ton des Klatsches, der Oberflächlichkeit, der Plattheit, den ich nicht anschlagen kann.44 6. Feber 1859: „Was Deine Sache mit Bellmann betrifft, so weiß ich darüber weiter nichts zu sagen, als daß ich darüber mit Bellmann so heftig aneinander gekommen bin, daß das weitere Erscheinen des Jahrbuches eine Unmöglichkeit geworden. Die Muße, die ich an dieses Unternehmen verschwendete, hat sich mir arg verlohnt.44 6. März 1865: „Ich sitze warm, wo ich gesessen bin, und zwar, sit venia verbo als „Ratsherr44 hiesiger Jungbunzlauer Stadt und Mitglied des Kommunalvorstandes. Lies dies und entsetze dich nicht! Die Sache schaut nicht so fürchterlich aus, als sie klingt, obwohl sie mir schon mehr Sorgen und Pein verursacht hat, als die ganze Price wert ist, da sie den Wahlsieg der Lieberalen hiesiger Stadt gegenüber der duckmäuserischen Hühneraugenpfotenleckerei in sich schließt. 24. Mai 1866: „Wir selbst sind infolge der allgemeinen Entwertung der Valuta und des Staatsfonds, da wir außer solchem kein anderes Besitztum haben, in unserer bescheidenen Habe bereits mehr als fünffach dezimiert, so daß wir, von der Schädigung schon vor Ausbruch des Krieges so arg mitgenommen, für den Fall, daß es, wie kaum zu zweifeln, nun endlich doch zum Losschlagen kommen sollte und die bereits allgemein diskutierte Insolvenz des Staates endlich offen ausgesprochen würde, uns auf das Äußerste gefaßt zu halten haben. Was schlimmer als das ist, das ist die komplette Stockung im täglichen Erwerbe, der selbst bei einer noch so angestrengten Praxis faktisch auf Null herabgesunken ist. Es ist nämlich bei uns in Österreich die höchst primitive Erscheinung eingetreten, daß aller Kredit, alle Zahlungsleistung und somit aller Verkehr aufgehört hat. Handel und Gewerbe stagnieren, und da der Arzt ein Luxusartikel ist, so versagt es sich vorläufig ein jeder, ihn zu bezahlen. Wie es da werden soll, das wissen allein Napoleon und die Götter...44 2. Juni 1867: „Mit meiner Stellung hier35 habe ich allen Grund höchst zufrieden zu sein. Ich habe mir in rascher Zeit eine Praxis erworben, deren Erfolg alle meine Erwartungen übertrifft. Ich fühle mich ganz wohl und heiter und das umsomehr, als meine Praxis, die mich vier Stunden im Tag in Anspruch nimmt, während welcher ich in meiner Wohnung ein klinisches Ambulatorium halte, mir alle andere Zeit für Studium und literarische Arbeiten freiläßt...44 409