Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 416)
- Language
- German
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Der hiesige israelitische Handelsmann Simon Rößler soll im vorigen Jahre zur Zeit der hiesigen Gemeindewahl im Gewölbe des hiesigen gutgesinnten Handelsmannes Elias Elbogen anwesend gewesen sein, wobei die Sprache auf die Gemeindewahlen und darauf gekommen sein soll, daß Dr. Siegfried Kapper bei dieser Angelegenheit nicht mit der jüdischen Gemeinde, die regierungsfreundlich gesinnt ist und mit den Gutgesinnten auch diesmal stimmen wird, gehen will, vielmehr für die ultraczechische Partei agitiere und die israelitische Partei spalten wolle. Aus diesem Anlaß soll Simon Rößler geäußert haben, er hätte dies dem Dr. Kapper vorgehalten, und dieser habe ihm geantwortet: Wie soll ich mit der Regierung gehen, da ich ein Mitglied der revolutionären Propaganda bin? Ob und wer bei dieser Äußerung des Simon Rößler außer Elias Elbogen gegenwärtig war, ist mir nicht bekannt geworden, jedoch habe ich vernommen, daß auch der hiesige Goldarbeiter Struntz von der Äußerung wissen soll. Ferner hat man mir im polizeilichen Wege mitgeteilt, daß Dr. Kapper eines Tages, nachdem die Untersuchung schon im Zuge war, den Simon Rößler auf der Gasse angetroffen und ihm darüber Vorwürfe gemacht haben soll, daß er ihm Verdrießlichkeiten durch eine Untersuchung bezüglich jener Äußerung bereitet habe, welches Gespräch der hiesige israelitische Schneidermeister Daniel Kompert und der hiesige israelitische Klempnermeister beiseite gehend belauscht haben sollen. Etwas Näheres habe ich nicht in Erfahrung gebracht und kann nur erwähnen, daß ich den Simon Rößler als einen schwankenden Charakter, dagegen den Israel Löwylß als einen vermögenden und gutgesinnten Geschäftsmann kenne, während ich den Dr. Siegfried Kapper, der auch Schöngeist und Schriftsteller ist, für einen ganz charakterlosen, schlechtgesinnten, schmutzig egoistischen und daher Alles fähigen Menschen halte, den ich meiner persönlichen Ansicht nach auch dessen fähig und dafür halte, daß er ein tätiges Mitglied der revolutionären Propaganda ist. Ein kleines Licht auf den Charakter des Med. Dr. Kapper, der für die deutschen und böhmischen Blätter die meisten hiesigen regierungsfeindlichen Artikel schreiben soll, wirft das mir mitgeteüte Ereignis, daß Dr. Kapper sich bei dem vorjährigen deutschen Sängerfest in Reichenberg als Ehrengast (als angeblicher Korrespondent einer deutschen Zeitung, ich glaube der Presse, unentgeltlich) durch mehrere Tage beherbergen und fetieren habe lassen, dagegen 14 Tage darauf sich aus der hiesigen ultra-czechischen Beseda entfernt haben soll, weü dort jemand deutsch zu sprechen anfing. Dr. Kapper hält sich übrigens noch nicht lange in Jungbunzlau auf und soll früher die Aufenthaltsorte oft, und zwar wegen Verdrießlichkeiten gewechselt haben. Die Frauen des Dr. Kapper und des Israel Löwy sind Schwestern des berüchtigten Moritz Hartmann. Schließlich muß ich noch ehrfurchtsvoll bemerken, daß ich von Anfang her mit Rücksicht auf den Tatbestand und die Couragelosigkeit des Zeugen zu meinem Leidwesen besorgt habe, daß die diesfällige strafgerichtliche Untersuchung gegen Dr. Kapper zu keinem erheblichen Resultate führen werde, während ich jedoch der Ansicht war, daß auch bei einem derartigen Schlüsse der Untersuchung die strafgerichtlichen Akten doch wenigstens Anhalt bieten könnten, dem Dr. Kapper seinen Auslandspaß abzunehmen, weshalb ich mir auch erlaube, die diesfällige Verfügung der Erwägung des hohen k. k. Statthalterei-Präsidiums anzuempfehlen und mir diesfalls weitere Weisung zu erbitten. Jungbunzlau, 1. Feber 1865. Zeben, k. k. Bezirksvorsteher. 405