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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 415

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 415)
Language
German
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IRI
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Da Dr. Kapper durch seine Verehelichung vor zwei Jahren mit der Schwester des Moritz Hartmann, welcher sich im Jahre 1848 durch seine Journalistik sehr kompromittierte und derzeit in Paris lebt, verschwägert ist, so korrespondiert er mit dem letzteren vorgeblich in Familienangelegenheiten. Schließlich erlaube ich mir zu bemerken, daß Dr. Kapper bisher während seines zweijährigen Aufenthaltes hierorts sich nie eine gegen die hohe Regierung feindselige Äußerung erlaubte, auch keine Neigung zu politischen Kontroversen an den Tag gelegt hatte. Auf Antrag des Obersten Rotter vom Gendarmerieregiment Nr. 59 sollte Kapper für seine opferwillige und kostenlose Behandlung der Mannschaft des Gendarmeriepostens in Dobris die belobende Anerkennung des Statthaltereipräsidiums ausgesprochen werden. Dieses forderte vorher vom Kreispräsidium einen Bericht über Kappers Wirksamkeit, sein politisch-moralisches Verhalten, seine Familien-, Vermögens- und andere Verhältnisse ein. Das Kreisamt gab den Auftrag ans Bezirksamt Dobris weiter und dieses erstattete folgenden Bericht:14* Hochlöbliches Kreispräsidium! Der mit dem verehrten Erlasse vom 24. Juni 1. J., Z. 107 P. P., zugekommenen Weisung über das Verhalten des zu Dobrisch domizilierenden Med. Dr. Siegfried Kapper die bisherige Wahrnehmung einzuberichten, erlaube ich mir gewissenhaft und möglichst treu im nachstehenden darzustellen. Die Wirksamkeit desselben als praktizierender Arzt ist unbedeutend, da er sich bisher ein allgemeines Zutrauen zu erwerben nicht vermochte, und deshalb ist auch diese Quelle des Einkommens seinem Stande nicht angemessen. Er beschäftigt sich aber mit besonderer Vorliebe mit Aufsätzen für die Zeitschriften im Fache der einfachen Tagesneuigkeiten und der Novellen, in neuester Zeit auch mit der Übersetzung der alten böhmischen Gedichte in die deutsche Sprache. Aber auch diese Beschäftigung dürfte seine Vermögensverhältnisse nicht genügend verbessern, was er nur durch die Zuflüsse aus dem Vermögen seiner Frau erzielt, indem er demohngeachtet eine sehr ökonomische Haushaltung führt, wozu seine kinderlose Ehe bisher um so mehr beitrug. Sein moralisches Benehmen ist ohne Tadel und auch sein sonstiges Verhalten durch die ganze Dauer seines hierortigen Aufenthaltes gab keinen Anlaß, an seiner loyalen Denkungsart zu zweifeln, sosehr auch sein früheres Benehmen im J. 1848 begründete Veranlassung vom Gegenteü gegeben haben mag. Nun verweilt er seit zwei Monaten in Verona in einem Militärspitale und es läßt sich mit Bestimmtheit nicht angeben, ob er diesem Berufe aus Rücksicht der pekuniären Vorteile gefolgt ist oder aber auch als Korrespondent und Schriftsteller einen anderen Zweck verfolge und da er der französischen Sprache vollkommen mächtig ist, seine Verwendbarkeit dortselbst unter veränderten Umständen anhoffet, indem in dieser Beziehung bemerkt werden muß, daß sein Schwager Moritz Hartmann als Publizist in Brüssel oder in Paris verweilt. Was die ärztliche Hilfeleistung bei der k. k. Gendarmerie betrifft, so beschränkt sich solche nur auf die seltenen Erkrankungsfälle des Dobfischer Gendarmeriepostens, welcher nur aus 6 Mann besteht. Dobfisch, den 15. Juli 1859. J. Kablik. Das letzte Schriftstückes hängt mit der gegen Kapper in Jungbunzlau geführten Untersuchung wegen Hochverrates (siehe S. 374f.) zusammen. Hohes k. k. Statthalterei-Präsidium! Mit Beziehung auf den h. Erlaß vom 15. Jänner 1. J., Z. 112, bringe ich ehrfurchtsvoll zur hohen Kenntnis, daß mir bezüglich der angeblichen Äußerung des Med. Dr. Siegfried Kapper in Jungbunzlau, daß er Mitglied des revolutionären Vereines in Deutschland sei, im polizeilichen Wege Folgendes bekannt wurde: 404

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