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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 407

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 407)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644315--2811-2647157
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ZWEITER TEIL DOKUMENTE 7. Biographie, Auszüge aus Studienzeugnissen und Archivalien 1. Autobiographie J. Ew. Wohlgeboren!! Beifolgend einige Elemente zu einer allfälligen meinen Namen betreffenden Notiz. So wie ich sie gegeben, sind sie zum Drucke nicht geeignet. Ich kann mich in die für Ihren Zweck nöthige Form nicht finden. Umso besser wird es aber der mit der ganzen Arbeit beschäftigten Feder gelingen, sich das Nöthige herauszunehmen . In Hochachtung Ihr Ergebenster Dr. Siegfried Kapper Ich bin im Jahre 1821 am 21. März zu Smichov, einer Vorstadt Prags, geboren, wohin mein Vater einige Jahre früher zurückgekehrt war, nachdem er fünfzehn Jahre lang im Auslande, zum Theil als Offizier in den französischen Armeen, zum Theil als Professor an verschiedenen Schweitzer Lehranstalten unter dem Namen Fischer zugebracht hatte. Es kostete meinen Vater Mühe, das Heimathsthum wieder geltend zu machen. Da ihm jedoch als zweitgeborenem Sohne einer israelitischen Familie nach den damaligen Gesetzen nur dann ein Weib zu nehmen gestattet werden konnte, wenn er Meister eines Gewerbes war, so lernte er, nahe an vierzig Jahre alt, das Glaserhandwerk, wurde dieses Gewerbes Meister in der königlichen Bergstadt Eule, und heirathete die jüngere Tochter eines allgemein geachteten Handelsmannes aus Neubidschow im Jahre 1819. Die Elemente meines Unterrichtes besorgte mein Vater selbst. Er begann mit mir die Bibel in der Ursprache zu lesen, nachdem ich mein fünftes Jahr zurückgelegt hatte. Die Schöpfungsgeschichte benützte er dazu, um mir in leichtfaßlicher Weise eine Masse von Kenntnissen aus dem Bereiche der Geographie, Astronomie, Naturgeschichte und Naturlehre beizubringen, die wunderbaren Geschichten Sarahs, Josefs usw. commentirte er durch mannigfache Sittenschilderungen aus dem Leben im Orient, die Geschichte der Kriege und der Pharaonen gaben ihm Veranlassung, mich mit den Elementen der Weltgeschichte, insbesondere mit der Geschichte Egyptens und Arabiens, bekannt zu machen, die Uibersetzung des Urtextes benützte er zu Denkübungen und sah dabei auf strenge Korrektheit der deutschen Sprache. Zu früh für einen weiteren, vernünftig geleiteten Fortgang meiner Ausbildung wurde mir durch seine Sorge für den materiellen Bestand der Familie die Wohltat seines Unterrichtes entrissen. Die Eindrücke, die ich durch seine Belehrung erhalten, sind mir zeitlebens unauslöschlich geblieben. Eine Reihe mehr oder minder unbefähigter Lehrer, unter deren Leitung ich es vorziehen lernte, mit lustigen Schulkameraden Bäume zu erklettern und Vogelnester auszuheben, brachte mich, ohne daß ich etwas erlernt hätte, endlich dahin, daß ich im Oktober 1830 am Kleinseitner Gymnasium in die 1. lateinische Schule eintrat. Ein Studiosus Wörfel aus Reichenberg, später Militärarzt, gab sich mit mir sehr viel ehrliche Mühe. Solange schlechtes Wetter und Winter war, lernte ich fleißig und erhielt wirklich im 1. Semester Vorzugsklassen. Als der Frühling kam, konnte ich mich nicht überreden, daß es lieblicher sei, in den Schulbänken zu sitzen als halbe Tage lang durch die herrlichen Berge und Felder träumend hinzuwandern. Der Lohn sollte nicht ausbleiben; ich 396

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