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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 392

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 392)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644315--2796-2647142
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er ins Armenhaus nach Prag, in dessen düsteren Räumen er eine Hölle durchmachte. Von dort entfloh er, rettete auf seiner Flucht Herrn Johann v. Martinitz das Leben, bildete sich in Saaz zum Baukünstler aus, wurde durch den Verkehr mit Pastor Wagner eifriger Protestant und kam nach langen Wanderungen durch Deutschland nach Komotau zur selben Zeit, als Popel dort Schloßherr geworden war. Gämperle verlobte sich mit Margarethe Kapsamer, seine Liebe galt aber in Wirklichkeit Dorotheen. Der Konflikt und innere Kampf in Gämperles Seele (Lea-Rahel, Margarethe-Dorothea) gehört zu den ergreifendsten Teilen in Kappers Roman. Eine traurige Rolle spielen der Müller Haas, der zu den Katholischen überlief, und der nach der Primatorstelle strebende Meister Hahnekamm, sein Leben lang ein Spitzbub, der nur die verarmten und durch ihren Mangel an Geist an die Bewohner von Schiida gemahnenden Kleinbürger, z. B. Meister Opitz, Leimsieder Pickert und Leinweber Hartknoch, durch seine Schwatzhaftigkeit an sich zu ziehen vermag. Seinen Spitzbübereien setzte er durch den Verrat seiner Vaterstadt (er öffnete den Feinden das Tor) die Krone auf. Der Roman „Die Glockenstürmer von Komotau" zeichnet sich durch seinen gut gegliederten Aufbau aus. Nur der in Chronikform ausgehende Schluß tut seiner Architektur einigen Abbruch. Sein weiterer Vorzug sind die gut gezeichneten Charaktere. Sie alle treten recht plastisch vor das geistige Auge des Lesers. Haas und Hahnekamm werden nicht nur durch ihre Handlungsweise, sondern durch ihre ganz sonderbare Art des Sprechens charakterisiert. Um den Leser in die Zeit, in der die Handlung spielt, zu versetzen, bedient sich Kapper einer altertümlichen Sprache. Seine Sympathien sind ganz auf Seiten der Protestanten. Das zeigt sich nicht nur im Inhalt des Romans und in der Zeichnung der Charaktere, sondern auch in den vielfach eingestreuten satirischen Bemerkungen, namentlich über die Jesuiten. Auch in diesem durchaus „christlichen" Roman fehlt die Judenfigur nicht, wenn sie auch eine ganz untergeordnete Rolle spielt. Der Hausierer Itzig Löbel, der von den Christen mißachtet und verhöhnt wird, erweist sich als ein Mensch von großer Klugheit, echter Güte und wahrem Edelmut. In selbstlosester Weise nimmt er sich der von ihren christlichen Glaubensgenossen verfolgten Bärbele an und bringt für sie die größten Opfer. Schimpf der Christen ist sein Lohn dafür. Auch erweist er sich als kluger Ratgeber des Assigwirtes und dessen Schwiegersohnes. Er verzichtet auf Gewinn, nur um diese vor Schaden zu bewahren. Mit dem „Vorleben eines Künstlers" und den „Glockenstürmern" erwies sich Kapper als guter Romanschriftsteller,191 der sich seiner Arbeiten nicht zu schämen brauchte. Er verblieb aber nicht auf der eingeschlagenen Bahn. Sein letzter Roman war auch sein letztes in Buchform er- 381

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