Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 391)
- Language
- German
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Er behandelte darin den Aufstand der Komotauer Protestanten gegen Herrn Georg Popel von Lobkowitz, einen eifervollen Katholiken, der die Stadt im Jahre 1588 von seinem Vetter, Herrn Bohuslav Joachim Lobkowitz auf Hassenstein, im Tauschwege erhalten hatte. Den Komotauer Protestanten war es unter der Herrschaft der Weitmühle und der Hassensteiner Linie der Lobkowitze sehr gut gegangen, ihr Wohlstand mehrte sich und sie durften ihren Glauben frei bekennen. Mit der Besitzergreifung Komotaus durch Herrn Georg Popel begann für sie die Zeit der Unterdrückung und Verfolgung, die sich zur Unerträglichkeit steigerte, als Popel (im Jahre 1591) dort ein Jesuitenkollegium mit einem Konvikt errichtet hatte. Die Komotauer lehnten sich unter Führung der Ratsherren Georg Gämperle und Georg Hoppedanz gegen den Schloßherrn auf, es gelang ihnen, den Schloßhauptmann Christoph Kreuziger und seine Knechte sowie die Patres vorübergehend zu vertreiben; schließlich aber fiel die Stadt durch Verrat des Schneiders Thaddäus Hahnekamm in die Hände des von Georg Popel requirierten Militärs. Der Aufstand brach zusammen und die Führer wurden hingerichtet. Im Mittelpunkt des fast 1000 Seiten umfassenden Romanes stehen nicht Einzelgestalten, sondern ganze Gruppen von handelnden Personen. Katholiken und Protestanten stehen einander gegenüber. Zu jenen gehört Herr Georg v. Popel mit seinem Schloßhauptmann und Knechten, die Jesuiten und ein kleines Häuflein von Komotauer Bürgern, zu diesen der Großteil der Komotauer Bevölkerimg. Im Vordergrunde der protestantischen Gemeinde Komotaus steht der ehrwürdige Kantor Tobias Kapsamer, der mit seinen beiden Töchtern Margarethe und Dorothea ein beschauliches und zufriedenes Leben führte, bevor Herr Georg Popel in Komotau eingezogen war. Nach des Pastors Wagner erzwungener Flucht blieb er das Haupt und der Hort der Evangelischen von Komotau und er zeichnete die Leiden seiner Glaubensgenossen in den „Denkwürdigkeiten der Stadt Komotau" auf. Nach dem Tode seiner Tochter Dorothea, deren Begräbnis, vom Schloßhauptmann gestört, den Auftakt zur Empörung bildete, verließ er Komotau als gebrochener Greis und fand bei Herrn Johann v. Martinitz auf Schloß Okof ein Asyl. Von den übrigen Bürgern treten hervor: Kapsamers Freund, der Syndikus Elias Milz, ferner der Primator Matthäus Losinger, ein schwacher Greis, der in seinen Entschlüssen hin und herschwankt und der in seiner Vertrauensseligkeit den Katholiken so lange nachgibt, bis er die ganze Gemeinde preisgegeben hat, weiters die Ratsherren Meister Wolf, Meister Spresack, der Assigwirt, dessen Schwiegersohn Mondwang, der Müllergeselle Wolschwitzer u. a. Am interessantesten ist die Gestalt Georg Gämperles. Auf Befehl des Herrn Georg Popel wurde er als kleines Kind der Frau Martha v. Krajek geraubt und vom Pförtner der Abtei Oybin erzogen. Dann kam 380