Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 390)
- Language
- German
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wie die Übersetzungstätigkeit in die Wege zu leiten wäre. Als bald darauf der Beschluß gefaßt wurde, die Sammlung „Biblioteka pfekladü basnickych del jinojazycn^ch" herauszugeben, wählte man Kapper mit keinem geringeren als Prof. Gebauer in die südslavische Kommission. Aus den Protokollen der „Umeleckä Beseda" geht hervor, daß Kapper von 1867 bis 1874 neun Vorträge hielt. Schon am 9. Feber 1867 erklärte er, „wie gewisse strittige Stellen in der Königinhof er Handschrift zu lesen wären". Einen Monat später (9. März) sprach er über das Thema: „Der Dichter Karolides und die genealogischen Tafeln bei Pavel Skala ze Zhofe",187 am 29. November 1870 trug er über die „Anfänge der Poesie" vor. Die übrigen Vorträge beziehen sich auf sein eigentliches Fachgebiet, die südslavische Poesie. Es sind: „Volkslieder aus der Herzegowina" (25. April 1868), „Die slavische Idee in den serbischen und montenegrinischen Volksliedern" (23. Mai 1868), „Serbische Volkslieder, insbesondere Legenden" (25. Oktober 1873). Dazu kommen Rezitationen serbischer Legenden (14. Feber 1869), aus dem „Knez Lazar" (14. März 1874) und aus den „Gusle" (2. November 1874). Das letzte Mitgliederverzeichnis, in dem wir Kapper vorfinden, ist aus dem Jahre 1875. Im Verzeichnis 1876 kommt sein Name nicht mehr vor. Ob ihn die in der Vereinigung ausgebrochenen Streitigkeiten oder sein leidender Zustand veranlaßte, sich von der „Umelecka Beseda" zurückzuziehen, ist schwer zu sagen. Der Arzt und Schriftsteller Siegfried Kapper ging auch unter die Erfinder und Unternehmer. Im Sommer 1872 erlangte er ein Patent bezüglich eines besseren Verfahrens bei Erzeugung von Papiermasse aus trockenen Pflanzenfasern, Stroh und Holz.188 Bis zum Jahre 1873 war er Obmann der Plasser Schurfgesellschaft. Im Jahre 1871 verwickelte sich Kapper in einen heftigen Kampf mit der Prager Kultusgemeinde.189 Nicht aus Ersparungsgründen, sondern weil er überzeugt war, daß ihm die Kultussteuer zu Unrecht vorgeschrieben wurde, rekurrierte er gegen die Vorschreibung beim Prager Magistrat, der Statthalterei und schließlich beim Kultusministerium. Als er von allen Instanzen abgewiesen worden war und die Kultusgemeinde eine Pfändung in seiner Wohnung vornehmen ließ, trat Kapper am 6. Juli 1874 aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus, um aber zwei Jahre später, in Görz, wieder in ihren Schoß zurückzukehren. In Prag konnte sich Kapper als Schriftsteller voll ausleben. Hier fand er reichliche Anregungen, hier war auch der persönliche Kontakt mit Verlegern und Redaktionen seiner schriftstellerischen Tätigkeit sehr zuträglich. Sein deutsches Schaffen tritt in Prag hinter das tschechische stark in den Hintergrund. Das einzige große deutsche Werk, das Kapper hier veröffentlichte, war der im Jahre 1869 erschienene dreibändige historische Roman „Die Glockenstürmer von Komotau".190 379