Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 385)
- Language
- German
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eine tschechische Aufschrift, so war sie in einem elenden Tschechisch abgefaßt), die Umgangssprache der besseren Gesellschaft war die deutsche, denn tschechisch sprachen nur das Landvolk, die Kleingewerbetreibenden und das Dienstpersonal. Es gab keine tschechischen Zeitungen. In den Gasthäusern, die als Sammelpunkt der besseren Kreise dienten, lagen nur deutsche Zeitungen auf. Nun erst begann sich das tschechische Nationalleben zu regen. In der Weinstube „U Flaklü" und in Jos. Novotnys Weinstube in der Eisengasse bildeten sich kleine tschechische Zirkel.173 Hatte Kapper in Dobfis ziemlich zurückgezogen gelebt und sich von der Politik ferngehalten (siehe oben), so ließ er sich in Jungbunzlau vom Strome des politischen Lebens mitreißen. Er schloß sich der fortschrittlichen Partei an und förderte nach Möglichkeit die Belange der tschechischen Minorität. Als er im Jahre 1860 um die Verleihung der Zuständigkeit nach Jungbunzlau ansuchte, tat er es ostentativ in tschechischer Sprache. Bei der Landtagswahl im Jahre 1862 setzte er sich mit Erfolg für den tschechischen Kandidaten ein. Er wurde in die Stadtvertretimg gewählt und war seit 1864 sogar Mitglied des Stadtrates .174 Er veranlaßte den Buchhändler Vinzenz UM, auch tschechische Bücher, tschechische Zeitungen und Zeitschriften zu vertreiben, hielt der Jungbunzlauer Studentenschaft Vorträge über serbische Literatur und lehrte sie serbische Volkslieder.175 Bei der Aufzählung der wenigen tschechischen Intellektuellen von Jungbunzlau hebt Bares den Juden Kapper ganz besonders hervor.™ Was Wunder, daß sich Kapper, der sich, durch seine parteipolitische Betätigung zu weiten, und zwar den sogenannten „besseren" Kreisen der Jungbunzlauer Bewohnerschaft in Gegensatz stellte, deren Sympathien verscherzte! Der k. k. Behörde konnte seine slavenfreundliche und regierungsfeindliche Einstellung nicht genehm sein. Die reaktionäre Partei haßte ihn wegen seiner fortschrittlichen Gesinnung. Die deutsche Bevölkerung und auch die Judenschaft lehnten ihn seiner tschechischnationalen Parteinahme wegen ab. Die orthodoxen Juden aus dem Beth Hamidrasch wollten von ihm nichts wissen, weil er angeblich nicht einmal am Neujahrstage und am Versöhnungstage die Synagoge aufsuchte . Auf einen Konflikt mit dem Verein „Eintracht", bei dessen Unterhaltungsabend er ein tschechisches Gedicht vortragen wollte, weshalb er aus dem Verein ausgeschlossen wurde, deutet das Poem „Antwort an den Verein ,Eintracht'" hin.177 Es hätte nicht viel gefehlt und Kapper wäre im Jahre 1865 in einen Hochverratsprozeß verwickelt worden. Ein gewisser Simon Roeßler, Kaufmann in Jungbunzlau, erstattete bei der Polizeibehörde die Anzeige, Kapper hätte im Geschäfte des Elbogen die Äußerung getan, er könne nicht regierungsfreundlich sein, weil er einem revolutionären Verein in Deutschland angehöre. Kapper erwuchsen aus 874