Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 383)
- Language
- German
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Zehnsilber mit der Zäsur nach der vierten Silbe) zu eigen gemacht. Kapper sagt nun, er behalte sich vor, nachzuweisen, wie irrtümlich Büdingers Annahme sei (Vorherbemerkung S. XII f.).165 Über seine Arbeit führt Kapper aus, er habe sich die sinn- und wortgetreueste Wiedergabe des Urtextes zur Aufgabe gestellt. „Ich habe dabei, soweit die Ermittlung eines Versmaßes oder auch nur einer rhythmischen Bewegung der Sprache möglich gewesen, selbst ganz genau an dieser festgehalten, um auch in der Form die getreue Abspiegelung der Originale zu wahren. Die einzige Abweichung, die ich mir erlaubte, betrifft die Aufeinanderfolge der Stücke der Handschrift von Königinhof, welche ich natürlicher und der Übersichtlichkeit des Entwicklungsganges dienlicher nach dem mutmaßlichen Alter anordnen zu dürfen glaubte ,166 Wo überdies an einer oder der anderen Stelle meine Übersetzung von der bisherigen Art, den Text in seine Sätze zu sondern, abweicht, mag dies nicht als ein Versehen, sondern als eine nach eingehender Überlegung aus guten Gründen vorgenommene Konstruktion angesehen werden, deren Rechtfertigung ich an anderem Orte vorhabe". (Vorherbemerkung S. X f.) Diese Bemerkung betrifft vor allem die kleineren Lieder (Gruppe III) und Kappers eigenmächtige Änderungen sind in der Tat begründet. Hingegen ergab die stichprobenweise Prüfung der Übersetzung auch Abweichungen vom Original, die uns unbegründet erscheinen und nicht als „Verbesserungen" angesprochen werden können; als Beispiele seien angeführt in „Oldfich und Boleslav" die Verse 9, 10, 21, in „Jaroslav" die Verse 5, 17, 32, 33, 42. Allem Anschein nach fühlte sich Kapper in Dobfis nicht wohl.167 Der Ausbruch des Krieges zwischen Österreich und Sardinien Ende April 1859 dürfte ihm daher ein willkommener Anlaß gewesen sein, dem entlegenen Städtchen des Brdywaldes wenigstens für einige Zeit den Rücken zu kehren. Mitte Mai 1859 übernahm er die Stelle eines freiwilligen Arztes im Militärspital zu Verona; gleichzeitig war er Kriegsberichterstatter für die „Kölnische Zeitung". In der Relation vom 15. Juli 1859168 schreibt der Dobfiser Bezirksamtmann über ihn: „Nun verweilt er seit zwei Monaten in Verona in einem Militärspitale und es läßt sich mit Bestimmtheit nicht angeben, ob er diesem Berufe aus Rücksicht der pekuniären Vorteile gefolgt ist oder aber auch als Korrespondent und Schriftsteller einen anderen Zweck verfolge, und da er der französischen Sprache vollkommen mächtig ist, seine Verwendung dortselbst unter veränderten Umständen anhoffet, indem in dieser Beziehung bemerkt werden muß, daß sein Schwager Moritz Hartmann als Publizist in Brüssel oder in Paris verweilt." Wir hörten, daß sich Kapper wiederholt mit der Absicht trug, Dobfis zu verlassen. Dies dürfte auch vor seiner Italienreise der Fall ge- 372