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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 380

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 380)
Language
German
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IRI
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Schauspielerin Louise Volland in die Hände und ließ sich von ihr überreden , der Gesellschaft zu folgen und ein Engagement bei ihr anzunehmen. Glücklicherweise gab Oswald seine theatralische Laufbahn bald auf und so gelang es ihm, sich auch von der Volland loszureißen. In der Absicht, sich im Zeichnen auszubilden, ging er nach München. Vor seinem Einzug führte ihn ein glücklicher Zufall mit dem Intendanten der königlichen Bühnen von Steineck zusammen, der sein Talent entdeckt hatte, ihm zunächst ein Stipendium erwirkte, und ihn dann, nachdem er sich noch weiter ausgebildet hatte, zum königlichen Hoftheatermaler bestellte. Oswald war aber von der Bühnenmalerei nicht befriedigt. Er wäre gerne als Schauspieler im Vordergrund der Bühne gestanden. Sein einstiger Lehrer Löffler hatte bei der Hofbühne ein Stück eingereicht, dessen Aufführung mit Hortense Werdau, die inzwischen in Hamburg zu einer großen Künstlerin herangereift war, und dem berühmten Darsteller Kerner in den Hauptrollen eine Theatersensation werden sollte. Kerner mußte im letzten Augenblick absagen und Oswald Grün, der den Proben beigewohnt hatte, das ganze Stück innehatte und es auch spielen konnte, rettete die Situation, indem er für Kerner einsprang. Er erntete großen Beifall und erhielt das ersehnte Engagement an der Münchner Hofbühne. Kappers Roman gemahnt auffallend an „Wilhelm Meisters Lehrjahre". Ohne einen Vergleich in bezug auf ihren künstlerischen Wert anstellen zu wollen, möchten wir doch auf einige in die Augen springende Parallelen hinweisen. In beiden Fällen handelt es sich um den Entwicklungsgang eines schwärmerisch veranlagten Jünglings, in dessen Leben das Schauspielerwesen eine große Rolle spielt. Beide Dichter geleiten ihre Helden durch verschiedene Gesellschaftskreise und liefern so mit ihrer Lebensgeschichte auch ein Bild der Gesellschaftsverhältnisse. Selbst das Geheimnisvolle, daß dem „Wilhelm Meister" anhaftet, fehlt in Kappers Roman nicht. Es ist durch die Gestalt des bis zum Schluß rätselhaften Kepler vertreten. Aber nicht nur in groben Umrissen, sondern auch in Einzelheiten finden sich Ähnlichkeiten. Wilhelm und Oswald stammen aus demselben Milieu, beide sind ursprünglich für den Kaufmannsberuf bestimmt, beide verbringen eine angenehme Jugend, beide erhalten eine sorgfältige Erziehung. Der häufige Theaterbesuch, die Jugendliebe (Wilhelm - Marianne, Oswald - Hortense), das spätere Vagabundenleben mit einer Theatergesellschaft, der Entschluß, einen praktischen Beruf zu ergreifen, das Schwanken zwischen zwei Frauen (Wilhelm zwischen Therese und Natalie, Oswald zwischen Hortense und Malvine) sind weitere Berührungspunkte beider Romane. Für Kapper ist bezeichnend, daß er auch hier die Gestalt des Hauslehrers, die bereits im „Herzel" und im „Falk" eine so wichtige Rolle spielte, in den Vordergrund der Handlung rückte. In unserem Roman ist sie durch Löffler verkörpert, der, wenn er 369

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