Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 379)
- Language
- German
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Und Murko zieht aus der Charakteristik des Lyrikers Kapper folgende Schlüsse für die Beurteilung von dessen Übersetzungen und Nachdichtungen slavischer Volkslieder :160 „Es ist beachtenswert, daß ihn die künstlerisch so hoch entwickelte Volkslyrik der Serben und Kroaten, die Goethes besonderen Beifall fand, als Übersetzer gar nicht anzog, denn ihre sinnliche Glut entsprach auch nicht seinem Wesen... Er beschränkte sich auf die Epik der heldenmütigen Kämpfe der Südslaven gegen die Türken, war aber im Grunde genommen eine lyrische und spezifisch elegische Natur, die sich dabei von dem Pathos und der rhetorischen Weitschweifigkeit Anastasius Grüns nie freimachte. Daraus sind auch die Mängel seiner deutschen und tschechischen Übersetzungen und noch mehr seiner tschechischen Nachdichtungen der serbokroatischen Volksepik zu erklären." An Büchern schrieb Kapper in den sechs Dobfiser Jahren: „Vorleben eines Künstlers", „Die böhmischen Bäder" und „Die Handschriften von Grünberg und Königinhof". Der Entwicklungsroman, „Vorleben eines Künstlers",161 behandelt das Werden eines Schauspielers. Er trägt den Untertitel „Nach dessen Erinnerungen herausgegeben". Oswald Grün, einst ein reicher Kaufmannssohn in der Residenz eines kleinen deutschen Fürstentums, genoß als Knabe die sorgfältigste Erziehung. Durch fehlgeschlagene Spekulationen und die Unehrlichkeit des Geschäftsführers Langhans kam Kommerzienrat Grün um sein ganzes Vermögen und die mit den Verlusten verbundenen Aufregungen führten seinen plötzlichen Tod herbei. Die Familie blieb infolge der Machinationen des Geschäftsführers in Armut zurück. Frau Grün schickte sich in die ihr auferlegten Verhältnisse und siedelte sich mit Oswald in dem kleinen Provinzstädtchen Vordernau an. Ihr folgte eine treue Verwandte, Frau Winkelmann, mit ihrem Töchterchen Malvine. Der Sorge um die Ausbildung der Kinder wurden die Mütter dadurch enthoben, daß sich der Pfarrer des Ortes und der Schreiber bei den städtischen Grubenbetrieben Löffler, ein gemütvoller, gebildeter und künstlerisch veranlagter junger Mann, des Unterrichtes annahmen. Löffler gewann auf Oswald großen Einfluß, seine Erziehung wurde ausschlaggebend für den künftigen Lebensweg des Knaben. Er vermittelte ihm nicht nur die für einen jungen Mann notwendige Bildung, sondern flößte ihm auch die Liebe zum Theater ein und förderte sein zeichnerisches Talent. Die erste Liebe des Knaben galt der jugendlichen Schauspielerin Hortense Werdau. Mit siebzehn Jahren ging Oswald Grün auf Reisen, um sich zunächst in der Welt umzusehen und sich dann für einen Beruf zu entscheiden. Er reiste Hortense nach, ohne sie jedoch finden zu können. In Rheinsperg begegnete er der Reinhardschen Theatertruppe, die er aus Vordernau kannte, fiel der leichtsinnigen 368