Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 378)
- Language
- German
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Bellmann betrifft, so weiß ich darüber weiter nichts zu sagen, als daß ich darüber mit Bellmann so heftig aneinander gekommen bin, daß das weitere Erscheinen des Jahrbuches eine Unmöglichkeit geworden. Die Muße, die ich an dieses Unternehmen verschwendete, hat sich mir arg verlohnt" .154 Die Redaktionstätigkeit brachte Kapper mit vielen und namhaften deutschen Schriftstellern in Verbindung. Ein großer Teil der im Anhang abgedruckten Briefe bezieht sich auf diese Tätigkeit und steht mit dem „Jahrbuch deutscher Belletristik" in Verbindung. Kapper, der jahrelang der lyrischen Dichtung entsagt hatte („Und der ich schwieg, entfremdet ganz, seit manchem Jahr des Liedes Wonnen ..."), kehrte jetzt wieder zu ihr zurück („So klinge denn, du froher Klang, geweckt nach langen, stummen Tagen").155 Wir kennen ihn bereits als Lyriker aus den „Ceske listy" und den „Befreiten Liedern". Beide Sammlungen sind aber durchaus tendenziös. Dort wird das Tschechojudentum propagiert, hier bildet politischer Freiheitsdrang den Inhalt. Über Kappers Gefühlslyrik zu sprechen war bisher noch keine Gelegenheit. Die in diese Kategorie gehörenden Gedichte sind bisher noch nicht gesammelt worden, sondern befinden sich zerstreut in verschiedenen Almanachen und Zeitschriften. Viele blieben ungedruckt und liegen nur in Handschrift in seinem Nachlaß vor.156 Die Gedichte sind erotisch, naturbeschreibend und reflexiv. Die erotischen sind nicht leidenschaftlich, sondern elegisch. Die Lieder aus dem Erzgebirge („Jahrbuch" 1858) sind stark sozial gefärbt.157 Die Lyrik war nicht Kappers Stärke. Dazu fehlte ihm das zarte Gefühl und die tiefere Lebensinnerlichkeit. Sein Talent war wesentlich plastisch, objektiv.158 Unverkennbar sind gewisse literarische Einflüsse auf Kapper als Lyriker. So entstand der Zyklus „Maurerlieder" unter dem Einfluß von Schillers „Lied von der Glocke", das „Waldgrab" ist mit Lenaus „Der Postillon" verwandt, manches erotische Gedicht erinnert an Heines Lyrik. Auch dem Einfluß Anastasius Grüns vermochte er sich nicht zu entziehen. Bezeichnend ist, daß sich in Kappers Nachlaß kein einziges tschechisches Gedicht befindet, das man den zahlreichen in deutscher Sprache geschriebenen lyrischen Gedichten an die Seite stellen könnte. Die dort erhaltenen tschechischen Poesien sind durchwegs Nachdichtungen oder Nachahmungen serbischer Volkslieder. Krejci folgert daraus,159 daß Kapper beim Dichten in tschechischer Sprache denn doch mit formalen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und daß er die deutsche Sprache, in der er erzogen und gebildet worden war, besser meisterte als die tschechische. 367