Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 376)
- Language
- German
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Kapper war ein Freund edler Geselligkeit. Er besuchte ab und zu das „Fürstliche Gasthaus",1*5«1 den Sammelpunkt der Dobfiser „guten Gesellschaft" und das einzige Kulturzentrum des Städtchens. Dort pflegte er mit dem Sohne des Gastwirtes Schach zu spielen.146 Einmal ereignete es sich, daß ein Mitglied der Gesellschaft eine Bemerkung machte, durch die sich Kapper als Jude beleidigt fühlte. Von da ab blieb er der Gesellschaft fern .147 Der Dobnser Amtmann Kablik berichtet über Kapper in der bereits zitierten Relation vom 27. August 1856, daß er mit niemandem vertrauteren Umgang pflege, sondern sich meistens mit der Sammlung des Stoffes für seine Poesie bei häuslicher Lektüre beschäftige. Er halte sich von der Politik ferne, knüpfe niemals Gespräche über politische Themen an, nehme auch gesprächsweise für die slavische Nationalität keine Partei, weshalb man ihn nicht als einen tschechischen Parteimann betrachten könne. Im übrigen beherrsche er die tschechische Sprache nur insofern, als sie zum Umgang ausreicht. Auch in Dobfis entfaltete Kapper eine ausgebreitete literarische Tätigkeit. Bei seiner ärztlichen Inanspruchnahme fehlte es ihm aber an Zeit, um sich für ein größeres Werk innerlich zu sammeln.148 Er war Mitarbeiter von Prutzens „Deutschem Museum", Westermanns „Monatsheften", Brockhausens „Blättern für literarische Unterhaltung", der „Kölnischen Zeitung" und der „Donau". Diese war das einzige österreichische Blatt, für das er schrieb. Der Ton des Klatsches, die Oberflächlichkeit und Plattheit, die in den Feuilletons der österreichischen Zeitungen herrschten, paßten ihm nicht, weshalb er sich von ihnen fernhielt .14* In den Jahren 1857 bis 1859 redigierte Kapper selbst einen von Bellmann in Prag herausgegebenen Almanach, dem er den etwas hochtrabenden Titel „Jahrbuch deutscher Belletristik" gab. Kapper baute da auf einem älteren Unternehmen weiter, dem „Album der Erinnerungen", das W. H. Landt, der Schriftleiter von Bellmanns „Erinnerungen an merkwürdige Gegenstände und Begebenheiten" begründet und zwei Jahre hindurch geführt hatte. Nun trat vom 3. Jahrgang angefangen Kapper an seine Stelle. Es fehlte ihm hiefür keineswegs an Eignung. Er besaß ein feines poetisches Empfinden - er hatte dieses in seinen Nachdichtungen slavischer Poesien hinreichend bewiesen - und verfügte auch über weitreichende literarische Verbindungen. Er sorgte dafür, daß der Almanach nicht allzusehr auf einen Ton gestimmt war, wobei dennoch die österreichische Eigennote gewahrt blieb. Kapper wechselte nicht nur den Titel des Almanachs, sondern zum großen Teil auch die Mitarbeiter. Vom alten Stab behielt er nur Hansgirg, Hartmann, Horn, Meißner, Pisling, Prechtler, J. N. Vogel; von neuen Mitarbeitern gewann er Bodenstedt, Ida von Düringsfeld, Geibel, Hebbel, Pröhle, H. Lingg, H. Lorm, Jul. 365