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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 375

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 375)
Language
German
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denn die Leute hätten kein Geld. Er ist aber zuversichtlich und hofft, die Verhältnisse würden sich bessern, wenn nur erst Friede käme. Wenn er trotzdem sein Auskommen finde, so geschehe es nur durch Nebenverdienst mit literarischen Arbeiten.142 Im Sommer 1855 wütete im Dobnser Bezirk die Cholera und Kapper mußte ihrer als einziger Arzt im Bezirke Herr werden. In dieser schweren Zeit war begreiflicherweise an literarische Arbeiten nicht zu denken .143 Im folgenden Sommer spricht Kapper wieder die Absicht aus, nach einer größeren Stadt, vielleicht nach Wien, zu übersiedeln. Er fragt Hartmann, ob sich nicht etwa in Paris bei einer Zeitung für ihn eine Stellung fände.144 Im Jahre 1856 dürfte Kappers Vermögen eine starke Einbuße erlitten haben, so daß er sich genötigt sieht, Hartmann um Fürsprache bei den „Hamburger Nachrichten" zu bitten, für die er Feuilletons schreiben möchte. „Ich brauche nach dem Hiebe, den mir die letzte Panik versetzt, verzweifelt Geld und will manches einzeln drucken lassen, was ich sonst zusammenzuhalten gedachte. Dies Nest Dobfis liegt so außer aller Welt, daß ich förmlich vergessen zu sein scheine."145 Mit Kappers Darstellung seiner materiellen Lage stimmt im großen ganzen der Bericht überein, den der Dobnser Bezirksamtmann Kablik der Prager Statthalterei in seiner Relation vom 15. Juli 1859 über Kappers Vermögensverhältnisse erstattete:145» „Die Wirksamkeit desselben (d. i. Kappers) als praktizierender Arzt ist unbedeutend, da er sich bisher ein allgemeines Zutrauen zu erwerben nicht vermochte, und deshalb ist auch diese Quelle des Einkommens seinem Stande nicht angemessen . Er beschäftigt sich aber mit besonderer Vorliebe mit Aufsätzen für die Zeitschriften im Fache der einfachen Tagesneuigkeiten und der Novellen, in neuester Zeit auch mit der Übersetzung der alten böhmischen Gedichte in die deutsche Sprache. Aber auch diese Beschäftigung dürfte seine Vermögensverhältnisse nicht genügend verbessern, was er nur durch die Zuflüsse aus dem Vermögen seiner Frau erzielt, indem er demungeachtet eine sehr ökonomische Haushaltung führt, wozu seine kinderlose Ehe145b bisher umso mehr beitrug." Kapper, der zeitlebens von großer Reiselust beseelt war, trug sich auch im Jahre 1856 mit der Absicht, gemeinsam mit seiner Frau eine Auslandsreise zu unternehmen. Im Paßgesuch gab er als Reisezweck an, „einige der vorzüglichsten Städte zu besuchen, Spitäler und sonstige seinen Beruf angehende Anstalten kennen zu lernen, hiemit aber zugleich den Zweck der Erholung zu verbinden." Der Ausfolgung des Passes gingen sehr eingehende amtliche Recherchen über Kappers journalistische Tätigkeit, seine Verbindungen im In- und Auslande und seine politische Gesinnung voraus, denen wir einige bis zum heutigen Tag erhaltene und für uns sehr interessante amtliche Relationen über Kapper verdanken.1450 364

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