Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 371)
- Language
- German
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Geschichte und der vorhandenen Volksliederfragmente organisch aufgebaut ist. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Kapper den Gedanken, aus einzelnen epischen Fragmenten eine Epopöe zu bilden, auch dem polnischen Dichter Mickiewicz verdankt, der in seinen im College de France (1840 bis 42) abgehaltenen Vorlesungen das Vorhandensein eines aus Liederzyklen entstandenen Volksepos zwar in Abrede stellte, aber dennoch den Versuch unternahm, die Liederfragmente über Lazar zu einer Einheit zu ordnen .128 Der Titelzusatz „nach serbischen Sagen und Heldengesängen" veranlaßte seinerzeit die Kritik, diese Dichtung nur für eine Übersetzung serbischer Volkslieder zu halten, was ihr sehr schadete und was sicherlich auch ihre Verbreitung beeinträchtigte.129 Die historische Grundlage von Kappers Lazarica bilden das Heldenleben und der Heldentod Lazars und der damit in Verbindimg stehende Untergang des Serbenreiches. Der Beginn der Dichtung greift aber um 50 Jahre zurück, in die Zeit, wo Lazar, der Sage nach ein Sohn Stefan Duschans und einer Wila, an den Hof des Vaters kam. Der Jüngling erwarb sich durch Klugheit und frommen Sinn dessen Gunst dermaßen, daß er ihn zu hohen Ehren erhob. Nachdem sich Lazar in Mazedonien als tapferer Held erwiesen hatte, gab ihm Jug Bogdan seine Tochter Milizza zur Frau. Bogdan ahnte die künftige Größe des jungen Helden: „Lazars Ehefrau muß Milizza werden. Lazar aber wird einst herrschend sitzen auf Kruschewac am Morawastrome!" Nach dem Tode Stefan Duschans kam es in Serbien zu inneren Zwistigkeiten, indem die mächtige Familie der Merlawtschewitsche und namentlich der schlaue Wukaschin, dem Duschan auf dem Sterbebett die Vormundschaft über sein neugeborenes und einziges Söhnchen Urosch und die provisorische Regentschaft übertragen hatte, die Herrschaft über einzelne Teile des Landes an sich rissen. Nach Ablauf der festgesetzten Frist sträubte sich Wukaschin von der Regentschaft zurückzutreten. Seine Herrschaft rief Unzufriedenheit hervor und die eigenen Brüder zogen gegen ihn kriegerisch zu Felde. Um Blutvergießen zu vermeiden, wurde vereinbart, Wukaschins heldenhaften Sohn Marko auf die Walstatt zu berufen, damit er entscheide, wem von den Brüdern die Herrschaft zufallen solle. Weder seines Vaters noch seiner Oheime achtend, erklärte aber Marko: „Stefan Urosch ist der Erbe Duschans, ihm allein gebührt des Reiches Herrschaft!" So gelangte Urosch, dem Wukaschin absichtlich eine verweichlichende Erziehung hatte zuteil werden lassen, auf den serbischen Thron. Seine Regierung war aber nur von kurzer Dauer, denn er wurde bald nach seiner Vermählung mit Helene, der Tochter des griechischen Kaisers, von drei Arnauten, die Wukaschin gedungen hatte, ermordet. Wieder gelangte Wukaschin zur Herrschaft, aber er fiel bald im Kampfe gegen den Sultan Murad. Nun wurde Lazar 360