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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 370

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 370)
Language
German
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selbst stellt den „Fürst Lazar", der von der Kritik mißverstanden, nicht den erwarteten Erfolg brachte, an die Spitze seiner Schöpfungen, indem er ihn als seine Hauptarbeit bezeichnet.128 Die „Gesänge der Serben" weisen, wie Krejci darlegte, mannigfache Fehler auf (siehe weiter unten). Wir erwähnten, daß sich Kapper bereits in Prag, als Mitarbeiter von „Ost und West", mit südslavischer Poesie beschäftigte. Das Interesse für die serbische Volkspoesie war in der deutschen Literatur ziemlich rege. Goethe, der schon 1776 oder 1677 den „Klaggesang von der edlen Frauen des Asan Aga" gedichtet hatte, vertiefte sich in späteren Jahren, von Jakob Grimm aufmerksam gemacht, noch mehr in die serbische Volkspoesie .124 Auf Grimms Einfluß gehen auch die 1825 und 1826 erschienenen „Volkslieder der Serben" von Frau Talvj (Therese Albertine Louise von Jakob) und das von Wilhelm Gerhard im Jahre 1828 herausgegebene Buch „Wila. Serbische Volkslieder und Heldenmärchen" zurück. In diese Linie: Grimm-Goethe- Talvj-Gerhard ist auch Siegfried Kapper literarhistorisch einzureihen.125 War Kappers Interesse für Serbien, sein Volk und seine Lieder zunächst nur ein vorübergehendes, ein sekundäres, so verstärkte es sich in der Zeit seiner Bekanntschaft mit Vuk Karadzic und während seines Karlstädter Aufenthaltes und füllte ihn nach dem Jahre 1849 vollends aus. Die Sehnsucht, das serbische Volk, sein Leben und seine Lieder näher kennen zu lernen, veranlaßte ihn zu den Reisen durch südslavische Länder, die er dann in so anziehenden Büchern beschrieb. Wie tief Kapper in das Wesen der serbischen Volkspoesie eindrang, geht ebenso aus seinen Nachdichtungen wie aus den theoretischen Abhandlungen über serbischen Heldengesang in den „Südslavischen Wanderungen", „Christen und Türken", in der Vorbemerkung zu „Lazar, der Serbencar" und in der Einleitung zu den „Gesängen der Serben" hervor.126 Diese gründliche Kenntnis serbischer Volkslieder befähigte Kapper zu der Dichtung „Lazar der Serbencar".127 Darin stellte er, ganz im Geist seiner Zeit, den Versuch an, die Fragmente serbischen Heldengesanges über die Kossovoschlacht in eine organische Einheit zu bringen, sie zu einem zusammenhängenden Zyklus, wie etwa die Ilias oder die Odyssee, zusammenzuschweißen. Wie er dabei zu Werke ging, sagt er in der Vorrede (S. X): „Den Zusammenhang, der in einem solchen Ganzen walten müßte, zu erraten, wird schon bei aufmerksamer Sichtung der bekannten Heldengesänge, bei Vergleichung derselben mit scheinbar entfernter liegenden Liedern möglich und man darf, wenn man dort, wo das Lied plötzlich abbricht, sich bei der Sage oder Geschichte Auskunft holt, es wohl auch versuchen, den Faden, der das Ganze leiten müßte, anzudeuten. " Daraus sehen wir, daß „Lazar der Serbencar" eine durchaus eigene Schöpfung Kappers ist, die auf dem Boden der serbischen Sage, 359

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