Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 364)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2644300-2644315--2768-2647114- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Anschriften Kappers: Wien-Leopoldstadt, Negerlegasse 711; Prag, Geistgasse 929, und Franzensbad. Wahrscheinlich versuchte er, sich da und dort als Arzt niederzulassen, aber ohne Erfolg. In diesen Wanderjahren war Kapper als Schriftsteller außerordentlich fruchtbar. Er veröffentlichte die Ghettogeschichte „Die Kohlen" („Libussa" 1849), zwei Aufsätze über L. A. Frankl (einen im „Album österreichischer Dichter" 1850, den anderen unter dem Pseudonym Rakonitzky in der „Libussa" 1850), die Romane „Herzel und seine Freunde" und „Falk". Die auf den Balkanreisen gewonnenen Eindrücke legte er nieder in Aufsätzen über Südslavien in Prutzens „Deutschem Museum" 1853, in einer Feuilletonreihe der „Kölnischen Zeitung" „Ausflug nach Bukarest" und in den Büchern „Südslavische Wanderungen", „Die serbische Bewegung in Südungarn", „Christen und Türken". Poetische Ergebnisse der Reise waren die zweibändigen „Gesänge der Serben" und die epische Dichtung „Fürst Lazar". „Herzel und seine Freunde. Federzeichnungen aus dem böhmischen Schulleben"115 kann ebensosehr als Ghettoerzählung wie als eine Schulgeschichte angesprochen werden. Als Roman läßt sich das Buch nicht gut bezeichnen, weil das Liebesmotiv, wenn auch in doppelter Gestalt vorhanden (Horaz-Judith, Herzel-Klara), doch allzu stark in den Hintergrund tritt. In der Hauptsache enthält das Buch eine Darstellung des vormärzlichen Schullebens von der Volksschule angefangen bis zur Philosophie.116 Der Verfasser führt den Leser durch die Volksschule im Dorfe M., durch das Tmavitzer Gymnasium und die beiden philosophischen Jahrgänge des Prager Klementinums und macht ihn mit Lehrern und Schülern, mit dem Unterrichtssystem und dem Leben der Schüler in und außerhalb der Schule, mit ihren Schmerzen und Kümmernissen, aber auch mit ihren Freuden bekannt. Dabei unterzieht er das Lehrsystem und die Lehrer einer meist abfälligen Kritik. Die ganz unfähigen Lehrer Holub, Kutzkavy und Metlitschka, der erste von ihnen außerdem noch ein roher Geselle, sind die Repräsentanten des niederen Schulwesens im Vormärz. Das Tmavitzer Gymnasium mit seinem verknöcherten Präfekten, den Professoren Mudrtz, Wenzeslavsky und Lischka soll dem Leser eine Vorstellung von der vormärzlichen Mittelschule geben; von den Professoren der Philosophie beansprucht das größte Interesse der Mathematiker Ladislaus (Ladislaus Jandera), der Schrecken vieler Generationen von Studierenden (siehe S. 328). Der Dichter läßt uns die Entwicklung mancher Schüler von der Volksschule angefangen bis zur Philosophie verfolgen und allmählich treten aus ihrer Reihe drei als Hauptpersonen in den Vordergrund der Handlung: der Verfasser des Buches, der in der ersten Person erzählt, der Dichter der Klasse, Horaz, und der junge Jude Herzel. 353