Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 360)
- Language
- German
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Nacht. Zur Feuersäule in der Wüste, zum Wecker dem erdrückten Recht, zum Leuchtturm an des Heiles Küste, zum roten Banner im Gefecht! - Dann, wenn das Kämpfen erst vollendet, und friedlich geht der Tage Strom, sei wieder sinnend zugewendet das Dichterherz dem Frühlingsdom!" Die „Befreiten Lieder" schließen mit dem Gedicht „Viget Mars, silet Ars". Damit sagt sich Kapper von der Poesie überhaupt los. Jetzt ist nicht die Zeit für Dichtungen. Jeder Bürger ist verpflichtet, die erlangte Freiheit zu beschützen, denn es lauern überall Füchse, die sie dem Volke gerne wieder entreißen möchten. Würde dies jemand wagen, „auf vom Pult dann, o Poete! Auf die Schulter die Muskete! In der Bürger Scharen trete und vergesse dein Gedicht!" In der Tat verstummte nach dem Erscheinen der „Befreiten Lieder" Kappers Leier nahezu ganz. Er schrieb in diesem sturmbewegten Jahr nur noch ganz wenige Gedichte, z.B. im Sommer „Kokarden"102 und „An den Volksvertreter Alois Borrosch"103 und in den Tagen der Oktoberrevolution „Das Wiener Oktoberlied. Kampfgesang gegen Jelacic und alle anderen Kamarilla-Diener".104 In dem am 3. April verfaßten Gedicht „Laßt gewähren" mahnte Kapper zu nationaler Verträglichkeit. Die nationalen Verhältnisse spitzten sich aber immer mehr zu und Kapper griff vermittelnd ein. Als in Wien die Kunde von dem Ausbruch der Prager Juniereignisse eintraf105 und die slavenfeindlichen Organe zum Kreuzzug gegen die Tschechen aufriefen, hatte Kapper den Mut, in einem öffentlichen Maueranschlag dieser unglückseligen und verhängnisvollen Verirrung entgegenzutreten ,106 Als am 22. Juli 1848 der österreichische Reichstag in Wien zusammentrat, wurde Kapper Parlamentsberichterstatter für die Prager Blätter „Bohemia" und „Constitutionelles Blatt aus Böhmen" sowie für L. A. Frankls „Sonntagsblätter". In seinen zahlreichen Aufsätzen107 verfolgte Kapper dieselbe soziale Politik, für die er in den „Befreiten Liedern" (z. B. in den „Liedern eines Armen") eingetreten war, in nationaler Hinsicht nahm er einen vermittelnden Standpunkt zwischen Deutschen und Slaven ein .108 Er bewahrte sich die alten Sympathien zum tschechischen Volke und äußerte offen seine Freude über Riegers Parlamentsrede, in der dieser seine Volksgenossen gegenüber den Angriffen Borroschs mannhaft verteidigte. Kapper, der in Wien in einem ganz deutschen und sehr stark links orientierten Milieu lebte, der nur für deutsche Zeitungen schrieb, konnte es aber nicht verwinden, daß sich die tschechischen Abgeordneten im Wiener Reichsrat mehr den konservativen Parteien zuneigten als den Demokraten. Er selbst bezeichnete sich als einen „Attache der Linken" und formulierte sein politisches Bekenntnis folgendermaßen: „Heilig ist mir das Recht der Nation, als solche zu gelten; heilig und un- 349