Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 359)
- Language
- German
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Als Prager Kind wurde Kapper Mitglied des tschechisch-mährischschlesischen Vereines und unterfertigte als solches die Adresse dieses Vereines an die Stände Mährens vom 18. April 1848. Die Nachricht, daß er mit seinen Landsleuten Dr. Jonak und Dolezälek als Deputierter nach Prag geschickt wurde, um die Verbindung der in Wien lebenden Tschechen mit ihren Brüdern in Böhmen aufrecht zu erhalten," fand ich in den Zeitungen nicht bestätigt. Nun, da der Völkerfrühling angebrochen, die Freiheit errungen war und die Wünsche der früheren Jahre erfüllt schienen, gedachte man der Männer, die sich zur Zeit des Absolutismus für sie am meisten eingesetzt und für sie am meisten gelitten hatten, Z.B.Anastasius Grüns, des Verfassers der „Spaziergänge eines Wiener Poeten", von „Schutt" und „Der letzte Ritter". Kapper widmete ihm seine Gedichtsammlung „Befreite Lieder" und pries ihn im Einleitungs-Gedicht als unerschrockenen Kämpfer für die Freiheit. An Grillparzer, der nach dem Jahre 1838, nachdem sein Lustspiel „Weh' dem, der lügt" im Burgtheater durchgefallen war, nichts mehr veröffentlichen wollte, wendet sich Kapper, er möge aus seiner Reserve hervortreten und sein Lied der neuen Zeit weihen („An Grillparzer"): „Tritt auf! Frei ist die Münze der Gedanken, Und gierig harrt der ausgeworf'nen Spenden ringsum ein dankbar Volk mit offnen Händen! Erbrich den Schrein - doch bald! Und Dein Gepräge wirf aus, ein Dichterfürst , in alle Wege, soll nicht der Glaub' an Deinen Reichtum wanken!"100 Ende April 1848 erschien bei M. F. Jasper in Wien Kappers Gedichtsammlung „Befreite Lieder". Dem „jungen Österreich", versehen mit dem Bildnis des jungen Dichters von Ed. Kaiser. Die im Jahre 1848 entstandenen Gedichte bilden etwa ein Drittel des 80 Seiten umfassenden Buches. Zwei Drittel füllen die Gedichte aus dem Vormärz. In den meisten von diesen (z. B. „Blondel", „Zwei Invalide", „Den Diplomaten", „Das Lied der Zeit", „Verständigung", „Neujahr 1848", „Nikolo Tomaseo", „Teil", „Mene tekel, ufarsin"101 wandelt Kapper in den Spuren der politischen Lyriker Herwegh und Freiligrath, Anastasius Grün und Karl Beck. Die sechs „Lieder eines Armen" erinnern nicht nur durch ihren Titel, sondern auch durch ihre soziale Tendenz an Becks „Lieder vom armen Mann". Im „Lied der Zeit" begründet Kapper, warum er von seiner bisherigen Lyrik abrückt und nichts mehr vom Preis der Schönheit in der Natur, des Nachtigallengesanges wissen will. Dazu sei jetzt keine Zeit. Des Dichters harrt eine größere und wichtigere Aufgabe. Er hat die Pflicht, das Volk aus seiner Lethargie aufzurütteln. Erst bis ihm dies gelungen sein wird, wird er zu seiner naturbeschreibenden Lyrik zurückkehren dürfen: „Ja! Erst zur Mahnung ist geschaffen des Liederwortes heil'ge Macht, zum Aufruf erst für Freiheitswaffen, zur Fackel in der Zeiten 348