Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 355)
- Language
- German
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Trotz dem ansehnlichen schriftstellerischen Schaffen, das Kapper als Wiener Student entfaltete, vernachlässigte er sein Berufsstudium nicht. Jedes Jahr machte er die vorgeschriebenen medizinischen Prüfungen81 und er unterzog sich am 6. Oktober, beziehungsweise am 21. Dezember 1846 bei Rokitansky, Skoda, Endlicher, Czermak, Fischer, Feuchtersieben und Wedl mit gutem Erfolg den beiden medizinischen Rigorosen. Am 2. Jänner 1847 fand an der Wiener Universität die Disputation über seine in der Dissertation „De Fönte Constantino Gleichenbergensi" aufgestellten Thesen statt und am 26. Jänner 18478la erfolgte die feierliche Promotion zum Doktor der Medizin. Die Freude an ihr wurde durch den am Promotionstage eingetretenen Tod des Vaters stark beeinträchtigt.82 Kapper ließ seine 28 Seiten umfassende Dissertation83 bei Karl Überreiter in Wien drucken und widmete sie dem Wiener praktischen Arzt Dr. J. J. Tedesco. Er legte darin seine in den Ferien des Jahres 1845 im Kurort Gleichenberg an der dortigen Konstantinsquelle angestellten Versuche nieder, sowie seine späteren Beobachtungen über die Wirkung dieser Quelle. Mit der Publikation wollte er andeuten, daß er als Arzt den Weg der Homöopathie einzuschlagen gedenke. Außer der Dissertation kennen wir nur noch eine medizinische Abhandlung von Kapper: es sind die im Jahrg. 1848 der „österreichischen Zeitschrift für Homöopathie" (S. 362-370) veröffentlichten „Homöopathischen Studien". Vom 1. Mai 1847 bis zum 6. Februar 1848 wirkte Kapper als homöopathischer Arzt in Karlstadt in Kroatien.84 Der Berufung dorthin folgte er umso lieber, als ihm dadurch die Aussicht geboten wurde, seine Kenntnis des Südslaventums durch eigene Anschauung zu ergänzen. In diesem Bestreben durch den Baron Drag. Kusljan, den Dichter Ivan Mazuranic und den Publizisten Emerich von Tkalac gefördert, bereiste er Bosnien, die Herzegovina, Dalmatien und die Inseln des Quarnero.85 Am 6. Februar trat er eine Reise ins Küstenland und nach Venezien an, von der er am 20. Februar nach Wien zurückkehrte, in der ursprünglichen Absicht, auch die Donauländer zu bereisen. Indessen bestimmte ihn der Ausbruch der Revolution, in Wien zu verbleiben. In den letzten Februar- und ersten Märztagen, als die welterschütternden Pariser Ereignisse trotz Zensur und Polizei immer mehr in die Öffentlichkeit drangen, gärte es auch in Wien. Dunkle Ahnungen tauchten auf, fieberhafte Erwartungen dessen, was da kommen könnte, wurden ausgesprochen. Die aufgeregte Stimmung machte sich auch in der Poesie bemerkbar86 und ließ Ende Feber Kappers schwung- und glutvolles Gedicht „Erhebung" entstehen.87 344