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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 353

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 353)
Language
German
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IRI
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herab), der Aufsatz „Zwei Kompositeure" (über Pergolesi und Duni) und die Skizze „Blätter aus Böhmen", die Kappers große Liebe zu Böhmen zeigt. Nicht nur seiner Natursehönheiten wegen liebte er das flache Land in Böhmen so sehr, sondern auch um seiner Lieder willen. Aus dieser Skizze erkennen wir auch Kappers große Vorliebe sowohl für die Musik, als auch für die Malerei. Sooft er auf seinen vielen Wanderungen in eine schöne Landschaft kam, holte er sein Skizzenbuch hervor, um die Gegend darin festzuhalten. Alle hier erwähnten Aufsätze sind in Frankls Sonntagsblättern 1842 bis 1844 enthalten. / Unter den in Kappers Wiener Studentenzeit entstandenen Arbeiten / verdient die Ghettodichtung besondere Beachtung. Das Interesse für diese / Literaturgattung reicht, wie aus einer Briefstelle Meißners hervorgeht, / bis in die Prager Zeit zurück.78 Kapper gehört zu den ersten Erzählern böhmischer Ghettogeschichten. Leopold Kompert, Salomon Kohn und Michael Klapp folgten ihm erst nach. Die Entstehung von Ghettogeschichten im allgemeinen und auch der von Kapper in besonderem sind aus der Zeit heraus zu erklären, aus einer Zeit, wo auf der Bühne und in der Presse das Schlagwort der Emanzipation laut ertönte. Es traten auch nichtjüdische Schriftsteller mit Begeisterung für die Rechte der Juden ein, indem sie diese in Romanen und Dramen verherrlichten. Auch bei den Tschechen fehlte das Interesse für die Juden nicht. Im Zusammenhang mit der tschechisch-jüdischen Bewegimg brachten die „Kvety" 1844 die Sage vom Rabbi Low und „Die Mauer des Rabbi Juda Chassid", die „Ceskä vcela" 1845 „2idovske vzpommky". Mit der Tendenz nach Emanzipation verbindet sich auch noch das ethnographische Interesse, das der jüngeren Romantik eigen war. Sitten und Bräuche der Juden sollten dem nichtjüdischen Leser vermittelt werden. Daß sich die Ghettodichter auch an nichtjüdische Leser wenden, beweisen die zahlreichen Bemerkungen, in denen hebräische Bezeichnungen von Gegenständen und Begriffen, jüdische Redensarten und Bräuche erklärt werden. Kapper schaltet solche Erklärungen auch in den Text ein. Kommt er dem romantischen Interesse an märchenhaften Stoffen schon durch die bloße Wiedergabe der Ghettosagen nach, so tut er es noch in erhöhtem Maße durch Schilderungen der Sitten und Bräuche an den verschiedenen Feiertagen (Anzünden der Chanukaüchter, Feier des Laubhüttenfestes, des Festes der Gesetzesfreude, Purim u. dgl.). Die Quelle der Ghettogeschichten dürfte bei Kapper dieselbe wie bei anderen Erzählern gewesen sein. Als reife Männer erinnerten sie sich der Sagen und Märchen, die sie als Kinder gehört hatten, und schrieben sie nieder; oder sie zeichneten die Gestalten, denen sie in der Judengasse so oft begegnet waren. Kapper berichtet in seinem Purimspiel „Ahasverus",79 daß er als kleiner Junge häufig den Erzählungen des jüdischen Musikanten 342

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