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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 352

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 352)
Language
German
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IRI
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Eine weit weniger freundliche Aufnahme fand Kappers Buch durch den berühmten Journalisten und Dichter Karel Havlicek Borovsky. Dieser unterzog es in der „Ceskä vcela" 1846 einer vernichtenden Kritik. Havlicek zählt Kapper zu jenen schreienden Dichtern, die nicht empfinden, was sie sagen. Nur die Hälfte der Gedichte sei wirklich empfunden, das Übrige sei nur des Reimes wegen da. Der Dichter wolle nur deshalb fürs Vaterland Blut vergießen (vyliju svou krev), weil er den Reim auf „slavi zpev" brauche. Man muß sagen, daß Havlicek mit Kapper allzu streng ins Gericht ging. Wenn man ihm auch in bezug auf den zweiten, erotischen Teil der Sammlung beipflichten wird, so kann man den übrigen Gedichten, zumal mit Rücksicht auf die Zeit, in der sie entstanden sind, gewisse künstlerische Qualitäten nicht absprechen. Was den nationalen Überschwang betrifft, so dürfen wir nicht vergessen, daß Kapper ein Kind seiner romantischen Zeit war, in der man viel, ja allzuviel vom Vaterland und seiner berühmten Vergangenheit schwärmte. Es ist kein Zufall, daß Vocel sein Referat über Kappers „Ceske listy" neben das über Tyls „Posledni Cech" gesetzt hat. Weiters warf Havlicek Kapper vor, daß seine Poesie unwahr sei, daß er es mit seinem Patriotismus nicht aufrichtig meine. Er kann ihn als Tschechen nicht anerkennen, weil es ihm sonst nicht einfallen dürfte, auch deutsch zu schreiben. Dieser Vorwurf scheint uns aber nicht gerechtfertigt. Kappers Begeisterung für das tschechische Volk war wirklich echt. Daß ein tschechischer Schriftsteller auch deutsch schrieb, war in jener Zeit nichts Seltenes. Wie viele Tschechen schrieben für Glasers „Ost und West!" Es ist also merkwürdig, daß Havlicek gerade an Kapper diese Forderung stellte. Im übrigen anerkannte Havlicek auch die guten Seiten der „Ceske listy": „DreierleiElemente", sagt er, „durchwehendie ganze Sammlung. 1. Die schmerzliche Erinnerung an den vergangenen Ruhm Israels, 2. Klage über die gegenwärtige Unterdrückung und Erniedrigung, 3. der Gedanke des Tschechojudaismus. Dort hat Kapper wirklich gefühlt, was er gedichtet hat, und ein wahres Gefühl findet wieder Gefühl. Am schwächsten sind die erotischen Gedichte. Der Dichter schwimmt nur in Tränen, aber dennoch lassen einen die Gedichte kalt." Havliceks scharfe Kritik und das Scheitern der tschechisch-jüdischen Bewegung hatten zur Folge, daß sich Kapper für viele Jahre von der tschechischen Schriftstellerei zurückzog. Hinter seiner Poesie tritt die Prosa in den Hintergrund. Von seinen literarischen Aufsätzen war bereits die Rede. Aus den 40er Jahren stammen auch noch die Ghettogeschichte „Der Rabbi und das graue Haus" (siehe weiter unten), die Novelle „Adla" (Adla, einst eine gefeierte Künstlerin sank zu einer Sängerin in obskuren Wiener Wirtshäusern 341

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