Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 351)
- Language
- German
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aus ihrer Entstehungszeit heraus zu begreifen. Auf die tschechisch-jüdische Bewegung beziehen sich noch die Gedichte „Bratri budme!" und „Privitäni" (D. K.. .vi Davidu Kuhovi). David Kuh gehörte, wie bereits erwähnt wurde, zu den eifrigsten Propagatoren der tschechischjüdischen Bewegung. Kapper apostrophiert ihn: „Ze skrovneho dosud poctu jsi ty jeden z horlivych, jenzto s nämi vysvobodit kmen se snazi otcü sv^ch!" Trotz aller Assimilationsbestrebungen bewahrte sich Kapper ein stark ausgeprägtes jüdisches Bewußtsein. Sind doch die „Ceske listy" an sich, bei aller ihrer assimilatorischen Tendenz, auch ein Bekenntnis zum Judentum. Und die große Vorliebe Kappers für die Ghettoliteratur ist ein Beweis für seine Anhänglichkeit an das ihm angestammte Volk. Und so finden wir auch bei ihm jene den Juden eigene Sehnsucht nach Jeruscholajim. Er spricht sie aus in dem Gedichte „K vychodu": „Ach k vychodu! Kde srdci memu ve snäch raje sviti, v posvatnych stmech otcove mi hnijou, v povestech Makabovcü deje zijou - ach tarn, ach tarn bych samoten chtel dilti, na vychodu! ... Tu harfu (jez visi na vetvich vrby u Babylonske vody) vdovu chtel bych v naruc vziti, souzelne vzbudit dfimajici hlasy, by znovu pocala ukrutne casy, m^ch bratrü zal - i hanbu jejich zniti." Der zweite Teil des Buches enthält, wie schon der Titel „Milost" besagt, erotische Poesie. Eine Gruppe von acht Gedichten ist einer verstorbenen Geliebten „Stella" gewidmet, in „Eine der Saronischen Rosen" preist er sein Vaterland als seine Geliebte („V ceske te divce ceskou vlast svou pozdravuji.") Kappers erotische Gedichte sind ziemlich arm an Gefühl, sie machen den Eindruck einer papiernen Poesie. Es ist der schwächste Teil der Sammlung. An Mächas „Maj" gemahnen sowohl durch ihre Form wie auch durch die eingestreuten mystisch-traurigen Gedanken die Gedichte der dritten Gruppe „Obrazy". Am schönsten ist das Schlußgedicht „Podzim", das die Beschreibung einer einsamen, verfallenen Waldkapelle enthält. Der berühmte Altertumsforscher und tschechische Dichter Jan Erazim Vocel nahm Kappers „Ceske listy" sehr freundlich auf. Er widmete ihnen in seiner Zeitschrift „Casopis ceskehomusea" (1847., S. 98-102) eine ausführliche Besprechung. Am Schluß seines günstigen Referates sagt er: „Wir können dem Geist, der diese Gedichte durchweht und der mit frischer poetischer Kraft höheren Zielen zustrebt, unsere Achtung nicht versagen. Die tschechische Literatur hat keinen Überfluß an fruchtbaren Geistern und jeder neue Zuwachs, jeder Tropfen neuer Kraft ist ihr willkommen." Vocel spricht die Hoffnung aus, daß Kapper nunmehr auf der einmal beschrittenen Bahn fortfahren und durch Taten und Ausdauer beweisen werde, daß seine Worte nicht leerer Schall waren. 340