Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 347)
- Language
- German
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seitner Gymnasiums besuchte, den auf der Kleinseite wohnenden tschechischen Dichter persönlich kannte. Zumindest aber ist er seinen Freunden nahe gestanden. Dafür sprechen die Worte: „Noch leben sie alle, die ihn gekannt, die er Freunde genannt, die mit ihm gelebt, die ihn - verehrt haben, noch sprechen sie alle mit Begeisterung von Macha, dem Menschen und Dichter." Noch zwei beachtenswerte literarhistorische Aufsätze stammen von Kapper: „Neutschechische Poesie" in den „Sonntagsblättern" 1845, S. 62 ff. und „Aufzeichnungen zur Geschichte der neutschechischen Poesie-Lyrik", in den „Sonntagsblättern" 1845, S. 1086ff. Daß Kapper denjenigen Dichtern, die er übersetzte, besondere Aufmerksamkeit schenkte, ist leicht begreiflich. Hanka und Kollär bezeichnete er als Wendepunkt vom Schülertum der neutschechischen Poesie zu ihrer Selbständigkeit. Von der Königinhofer Handschrift, die er später (1859) übersetzte, spricht er mit großer Begeisterung. Er würdigt Kollärs „Slävy dcera" und Celakovskys Sammlung slavischer Volkslieder. Im zweiten Aufsatz behandelt Kapper Mächas Lyrik, ferner Langer, Jablonsky, Sabina, Furch und Nebesky. Jablonsky nennt er tief poetisch. Er sei bald Eigentum der Nation geworden, ohne sich, wie viele seiner Vorgänger, zum Volke herabzulassen, sondern, indem er es zu sich erhob. Seinen Freund Nebesky lobt er wegen der ernsten Studien auf dem Gebiete der Philosophie und Geschichte, die seinen Gedichten Tiefe und Bedeutsamkeit verleihen. Außerdem referierte Kapper unter dem Pseudonym Rakonitzky63 in Ad. Schmiedls „Österreichischen Blättern für Literatur und Kunst" (Jahrgang 1845 und 1846) über Erbens Volksliedersammlung, Cervenkas Buch „Zrcadlo Slovenska", Karl Sabina, die südlavische Literatur, die tschechische dramatische Literatur, die Sammlung „Biblioteka zabavneho cteni", über Kampeliks „Prava naseho jazyka a nasi närodnosti", Rubess „Pan amanuensis", die Sagen und Märchen von Boz. Nemcova und schließlich über Tyls Roman „Posledni Cech". Weitere Übersetzungen Kappers sind die Übertragungen von Gedichten Jablonskys und Celakovskys in „Ost und West" 1843. Die größte Leistung vollbrachte er in jener Zeit durch die Verdeutschung von Machas „Maj" (Libussa 1844).64 Die Zahl seiner Übersetzungen war bis zum Ende des Jahres 1842 so angewachsen, daß er an ihre Herausgabe in Buchform unter dem Titel „Neuböhmische Poesien" dachte.65 Dazu ist es aber niemals gekommen. Hingegen erschien zu Anfang des Jahres 1844 bei Eichhorn in Leipzig Kappers erste Gedichtsammlung „Slavische Melodien". Lange Zeit konnte sich Kapper für die Wahl des Titels nicht entscheiden. In „Ost und West" nennt er die Gedichte „Nachklänge slavischer Volkslieder", wobei ihm Celakovskys „Ohlasy" vor Augen geschwebt 336