Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 348)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2644300-2644315--2752-2647098- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
haben mögen. In Frankls „Sonntagsblättern" nennt er sie wieder „Liederstimmen der Slaven", wobei man unwillkürlich an Herders „Stimmen der Völker in Liedern" denken muß. Schließlich wählte er den obigen Titel. Kapper widmete die Sammlung den „Dichtern seiner Heimat" Karl Egon Ebert und Ludwig August Frankl. Mit welcher Bewunderung er zu jenem, dem Dichter der „Vlasta", emporblickte, beweist sein Brief an Glaser vom 8. Feber 1843.66 Was Wunder, daß er bei seinen Dichtungen dessen Einfluß unterlag! Wie sehr Ebert andererseits Kappers ernstes Streben verfolgte und welche gute Meinung er von ihm hatte, sehen wir aus dem Schreiben, in dem er dessen Widmung übernahm.67 Ludwig August Frankl war Kappers Gönner und Förderer. Nicht nur, daß er dem jungen Landsmann seine Blätter zur Verfügung stellte, er verschaffte ihm auch bei anderen Zeitschriften und Taschenbüchern Eingang. Es mag Kapper mit Stolz erfüllt haben, daß die Dichter seiner Heimat Ebert und Frankl zwei leuchtende Sterne des österreichischen Parnasses waren. Und es war sehr naheliegend, gerade ihnen, denen er so viel verdankte, seine erste Gedichtsammlung zu widmen. Seinem Gönner Frankl bewies er auch noch später seine Dankbarkeit, indem er ihn zum 40. Geburtstag in zwei Aufsätzen feierte.68 Ihre fortdauernde Freundschaft geht aus Frankls Brief an Kapper vom 24. November 1863 hervor.69 In den aus vier Gruppen (aus dem Slovakenlande, aus Böhmen, aus Mähren, aus Illyrien) bestehenden „Slavischen Melodien" vereinigte Kapper die in verschiedenen Zeitschriften verstreuten Nachdichtungen slavischer Volkslieder, die er entweder von Kindheit her kannte oder später aus gedruckten Sammlungen oder aus dem Volksmund kennen gelernt hatte. Tschechische Lieder vermittelte ihm in frühester Jugend der Nachbarssohn Josef oder er eignete sich sie in späterer Zeit auf seinen Wanderungen durch das liederreiche Böhmen an,70 slovakische Lieder ließ er sich für Tabak und Branntwein von Drahtbindern vorsingen,71 die illyrischen Lieder sind freie Bearbeitungen einiger bei Talvj oder Gerhard aufgegriffener Motive, daneben freie Erfindungen in Merimeeschem „illyrischem "Kostüm.72 Kappers Nachdichtungen sind weder getreue Übersetzungen noch selbständige Gedichte. Da er sich mit der slavischen Volkspoesie sehr eingehend beschäftigte, nahm er gesungenes slavisches Volksleben in sich auf und verarbeitete es wie ein gesunder Organismus zu eigenem Blute. Dabei unterlag er auch dem Einfluß moderner deutscher Dichter. Lenaus Einfluß auf die „Kosakenromanzen" wurde bereits erwähnt. Andere Gedichte enthalten sowohl die Elemente slavischer Volkslieder wie auch Motive der jüngeren deutschen Romantiker. So sind Kappers Gedichte Variationen slavischer Motive, mitunter freie Übersetzungen slavischer Volkslieder. Manchmal schuf er aus einer slavischen Strophe ein ganzes 337