Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 342)
- Language
- German
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Schon in jener Zeit bemühte sich Kapper, auch in die Wiener Presse Eingang zu finden. Moritz Hartmann, der mittlerweile (i. J. 1840) nach Wien gegangen war, sollte ihm dabei behilflich sein. Hartmann schreibt ihm am 1. Oktober 1840:39 „Ich betrachte mich hier überhaupt als Eueren Generalkonsul in literarischen Angelegenheiten." Die jungböhmischen Dichter rechneten mit den Organen L. A. Frankls, der auf seine Landsleute große Stücke hielt: „Ich hätte soviel des Schönen, was Frankl von Ihnen gesprochen, erwähnen können, wenn ichs nicht ganz vergessen hätte, wie Frankl nämlich - ich schäme mich schon das zum dritten Male zu wiederholen - die Prager alle als vortreffliche Poeten anerkennt, Sie besonders als guten Volksdichter und Übersetzer. Und doch wird das Gedicht (das ruthenische) schwerlich können gedruckt werden, es ist Frankl wirklich zu viel Poesie darin, und das ist nicht fürs Publikum. - Leider. - Ich bin auf den Gedanken gekommen, ob ich Ihnen hier nicht nützen könnte und für Sie einen Verleger finde... Wenn Sie etwas an Taschenbücher bestellen wollen, wie Sie aus Frankls Brief ersehen können, können Sie sich an mich wenden, und ohne Phrase, ich diene Ihnen gerne."40 Im Jahre 1839, bevor noch Hartmann in Wien war, erschien in dem von L. A. Frankl redigierten „österreichischen Morgenblatt" ein Zyklus von zehn Gedichten Kappers unter dem Titel „Kosakenromanzen". Es sind Nachbildungen ukrainischer Balladen, aber auch Lenaus Einfluß auf sie ist ganz unverkennbar. Schon die erste - und man muß sagen auch die schönste - der Romanzen „Die Werbung" hat manche Ähnlichkeit mit dem gleichnamigen Gedichte Lenaus. Ohne Zweifel besteht ein Zusammenhang von Kappers „Schenke" und Lenaus „Heideschenke".41 Lenaus Einfluß auf Kapper ist leicht erklärlich, wenn wir bedenken, was dieser österreichische Dichter für die Gesellschaft vom Roten Turme bedeutete.42 In den zwei nächsten Jahrgängen (1840, 1841) des „Österreichischen Morgenblattes" finden wir Kapper durch „Mussajs Grabgesang", eine ziemlich gelungene Nachahmung eines serbischen Volksliedes, durch „Ungarische Kriegslieder" und durch drei „böhmische Weisen" vertreten. Im Sommer 1839 hatte Kapper die philosophischen Studien in Prag beendet. Nun wollte er Jus studieren. Da sein Vater fürchtete, er würde als Jude in diesem Fach kein Fortkommen finden, bestimmte er ihn, sich der Medizin zu widmen. Kapper ließ sich wohl an der medizinischen Fakultät inskribieren, kam aber im Studium nicht vorwärts, weil er seine ganze Zeit dem Privatunterricht widmete. Nicht besser ging es ihm im nächsten Jahr, wo er eine durch Moritz Hartmanns Abgang nach Wien freigewordene Hofmeisterstelle bei dem wohlhabenden Prager Fabrikanten Mauthner innehatte .48 Dort oblag ihm die Erziehung zweier 831