Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 341)
- Language
- German
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beachtet. Die Prager „Abendzeitung" tat ihrer Erwähnung, freilich in einer den Autor kränkenden Weise. „Die Abendzeitung spricht von Siegfried Tapper als dem Übersetzer des grünen Turmes; über welche Namensverstümmelung Kapper sehr erbost war." So berichtet in etwas schadenfroher Weise Alfred Meißner am 27. März 1839 seinem Freunde Moritz Hartmann 85 Noch zahlreicher sind Kappers Gedichte im folgenden Jahrgang 1840. Dort befindet sich eine Übersetzung aus dem „Böhmischen" und elf „Nachklänge slavischer Volksgedichte", darunter bereits mehrere Balladen. In einem ruthenischen Volkslied „Die Botschaft", schildert der Dichter ein bei den Slaven beliebtes Spiel. Auch eine „Mährische Ballade" von Kapper enthält dieser Jahrgang. Der boshafte Meißner spottete über sie in einem Briefe an Hartmann vom 14. August 1840, indem er sie als einen „grand-Unsinn" bezeichnet.36 Dieser Brief kreuzte sich mit einem Schreiben Hartmanns vom 18. August, in dem sich dieser viel günstiger über Kappers „Mährische Ballade" ausspricht: „Ost und West habe ich nicht zu Gesichte bekommen, nur ein Blatt, das mir S. Kapper schenkte und das eine wahrhaft ausgezeichnete Ballade, von ihm original, enthält; müßte ich nicht voraussetzen, Du habest sie schon gelesen, so schriebe ich Dir sie wörtlich ab, so sehr gefällt sie mir."37 Der Jahrgang 1841 bringt von Kapper aus dem Böhmischen: „Scheiden", „Die Lerche", aus dem Mährischen: „Untreue", „Liebe", „Vom Scheiden", „Heimkehr" und „Die Braut des Sturmes", aus dem Slovakischen: „Blumenorakel" und „Hinter Bergen". „Das künftige Vaterland" ist eine Nachahmung von Mächas „Budouci vlast". Mit Originalgedichten, bei denen der Einfluß der Volkslieder ganz unverkennbar ist, trat Kapper zum ersten Male in dem vom Grafen Schirnding und C. A. F. Hennig herausgegebenen Taschenbuch „Camelien" hervor. Sein Beitrag besteht aus den beiden lyrischen Gedichten „Sonnenaufgang im Walde" und „Stille". Der Prager Schriftsteller Umlauft, der das Taschenbuch in „Ost und West" besprach, äußert sich über Kappers Beitrag in demselben Satz wie über die Beiträge von Hartmann und Meißner: „Waldbilder", so überschreibt Moritz Hartmann zwei wunderschöne Gedichte bedeutsamen Inhaltes, deren Form ebenso ausgezeichnet ist wie die Idee. Überhaupt haben die jüngsten Talente unserer Stadt mit trefflichen Gaben gewetteifert. Ich nenne deshalb gleich hier Siegfried Kapper und Alfred Meißner. Jener hat zwei allerliebste Stilleben: „Sonnenaufgang im Walde" und „Stille" in kleinem Räume zart ausgeführt, während Meißner mit staunenerregender Kraft und Sprachgewalt die Titanenkämpfe des Dichters schildert. Wahrhaftig, diesen drei Dichterjünglingen ist zuversichtlich eine schöne Zukunft vorherzusagen."88 830