Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 340)
- Language
- German
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Mediziner Friedrich Bach und Isidor Heller, beide schon als Dichter bekannt. Ab und zu kam auch Josef Rank, der spätere Dichter des Böhmerwaldes, und auch der tschechische Dichter Karl Sabina pflegte sich den jungen Leuten zuzugesellen. Im Sommer versammelte sich dieser Kreis entweder auf der Schützeninsel oder im Baumgarten. Da wurden über einem Krug böhmischen Malzabsuds Verse, die jüngsten Erzeugnisse ihrer Muse, vorgetragen, ehe sie noch in der Zeitschrift „Ost und West" erschienen waren. Es wurden die Neuerscheinungen des Tages besprochen, von denen Bachs „Sensitive" für die Gesellschaft im Roten Turme die wichtigsten waren. Es wurde politisiert und spintisiert, man war radikaler als radikal, zog für die rote Republik vom Leder und fegte Monarchien über den Haufen, daß es nur eine Art hatte.32 Die Dichter des „Jungen Böhmen" standen unter dem Einfluß Byrons, Lenaus und des „Jungen Deutschland". Sie waren Freiheitssänger und Dichter des Weltschmerzes. Die ersten Gedichte, in denen sie ihren Gefühlen Ausdruck gaben, erschienen in Rudolf Glasers Zeitschrift „Ost und West", deren erster Jahrgang (1837) mit der Studienzeit unserer Dichter zusammenfällt. In diesem Jahrgang veröffentlichte Bach eine Reihe seiner „Nachtphantasien". Ihm folgte im 2. Jahrgang Heller mit zwei Novellen. Hartmanns Debüt im Jahre 1838 bildet ein kleines Gedicht „Der Drahtbinder", das die Bemerkung „nach einem slavischen Lied" trägt. Meißner blieb natürlich auch nicht zurück.33 In „Ost und West" finden wir auch Kappers dichterische Erstlinge. Von seinen poetischen Versuchen am Gymnasium war bereits die Rede. Das Dichten blieb auch nachher seine Lieblingsbeschäftigung. „Alle Zeit, die ich außer den Schulstunden erübrigen konnte, mußte ich dem Unterrichte eines Haufens kleiner Judenknaben zuwenden. So blieb mir nur die Nacht zum Studieren und der Weg vom Hause zum Clementinum und zurück zum Versemachen. An Sonn- und Ferialtagen schrieb ich Dramen", so berichtet Kapper in seiner Selbstbiographie .34 Zum ersten Male finden wir Kappers Namen in „Ost und West" im Jahre 1839. Es wurden von ihm elf Lieder aus dem Slovakischen und zwei aus dem Tschechischen (oder wie es damals hieß aus dem „Böhmischen") übersetzt. Den Übersetzungen haftet noch etwas Schülermäßiges, Unreifes an. Der Dichter kämpft an manchen Stellen mit Rhythmus und Reim. Dennoch ist dem noch nicht Zwanzigjährigen Talent nicht abzusprechen. Man muß anerkennen, daß er die traurige Stimmung des slovakischen Volksliedes, die Zärtlichkeit und andere charakteristische Merkmale der slovakischen Volkspoesie mit Geschick nachzubilden wußte. Kappers Übersetzungen in „Ost und West" blieben nicht un- 329