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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 339

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 339)
Language
German
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IRI
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und ohne Freund, kehrte er bald wieder heim und setzte die philosophischen Studien im nächsten Jahre in Prag fort. Nun war er ein besserer Schüler als bisher. Er wies besonders im zweiten Jahrgang sogar mehrere Vorzugsnoten auf.29 Von seinen Lehrern waren am bedeutendsten der Mathematikprofessor Ladislaus Jandera, der Philosoph Friedrich Exner und der Philologe Anton Müller. Prof. Jandera, ein Prämonstratenser, klein von Gestalt aber mit der Stimme eines Löwen, war seiner Strenge wegen der Schrecken aller Studenten im 1. Jahrgang der Philosophie.30 Auch Kapper bekam seine Strenge zu fühlen und mußte sich bei ihm am Ende des ersten Semesters einer Wiederholungsprüfung unterziehen. Prof. Exner trug philosophische Propädeutik, Geschichte der Philosophie und Psychologie nach Herbart vor. Exner stand seiner freiheitlichen Gesinnung wegen häufig im Streit mit dem hohen Klerus Böhmens. Von seinen Schülern aber wurde er gerade deshalb sehr verehrt. Szarvady behauptet,31 er sei der einzige Professor an der philosophischen Abteilung gewesen, vor dem die Schüler Respekt gehabt hätten. Über Jandera sei gelacht worden, Müller sei ausgetrommelt worden, bei Exner habe immer ehrfurchtsvolle Stille geherrscht und alle Welt habe an seinem Mund gehangen . Prof. Anton Müller, ein blatternarbiger Mann von verbissenem Aussehen, war ein in Prag angesehener Dichter, der zugleich Ästhetik lehrte und Theaterrezensionen schrieb. Szarvady stellt ihn als einen Gegner der jungen Dichtergeneration, einen Feind Heines und als einen Antisemiten hin. Auch bei ihm mußte sich Kapper im 1. Semester des 1. Jahrganges ein nichtgenügend durch eine Wiederholungsprüfung in ein genügend verbessern. Die jungen Philosophen wurden zwar mit „Herr" angesprochen, es wurde ihnen die Konzession gemacht, daß sie einen Stock tragen durften, dennoch befanden sie sich in einer strengen Schulzucht. Der pünktliche Besuch des Hörsaales wurde zur ersten Pflicht gemacht. Ein häufiger Namensaufruf erleichterte dem Dozenten die Kontrolle und demjenigen ging es übel bei den Prüfungen, dem öfteres Fehlen durch diese Methode nachgewiesen worden war; falls er nicht kurzerhand zur Wiederholung des Kurses gezwungen wurde. Kapper, der sich schon am Gymnasium als „Poet" fühlte, verkehrte in der freien Zeit mit gleichgesinnten und gleichstrebenden Genossen im „Häuschen zum roten Turme", einer kleinen, dunklen, räucherigen Kneipe in der Zeltnergasse. Dorthin flüchteten Prags jüngste Poeten: Moritz Hartmann, der eben vom regium gymnasium Neoboleslaviense gekommen war, Alfred Meißner, der Arztenssohn ausTeplitz und Enkel des berühmten August Gottlob Meißner, der Ungar Friedrich Hirschl, der sich später vollständig magyarisierte und den Namen Szarvady annahm, der 328

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