Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 338)
- Language
- German
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ein Unterhaltungsbuch, womöglich eine Räuberhistorie zu vertiefen, war ihm wichtiger als bei lateinischen Vokabeln oder der lateinischen Grammatik zu sitzen.19 Kappers Lehrer war in den beiden Humanitätsklassen Johannes Zimmermann, der selbst als Poet und Schriftsteller hervortrat20 und den Schülern bei stilistischen Übungen viel Anregungen bot. Wenzel Svoboda, Hankas Helfer bei der Fälschung der Königinhof er Handschrift, war wohl am Kleinseitner Gymnasium tätig, gehörte aber niemals zu Kappers Lehrern .21 Schon in den frühesten Jahren versuchte sich Siegfried im Verseschmieden. Als kleiner Junge ging er einmal, durch Müllers Wanderlieder verleitet, den Eltern durch.22 Vor der Abreise kritzelte er folgende Abschiedsverse an die Wand neben das Tor ihres Hauses: Heute Braten, morgen kaum Brot, Heute hier, morgen schon weit, Heute lebend, morgen vielleicht tot, Lebet wohl für ewige Zeit. Sein erstes Liebesabenteuer mit Lieschen, dem Töchterchen des in der Nähe ihres Hauses wohnenden Mautners, das ebenfalls an seinem schlechten Fortgang in der Schule schuld war28, gab ihm die Anregung zu dem Hölty nachgebildeten Gedichte „Sehnsucht nach Lieschen".24 Als Quintaner schrieb er eine Tragödie „Nisus und Euryalus", ein didaktisches Gedicht „Tempe" und übersetzte Goethes Iphigenie in lateinische Verse.25 In den Ferien nach der zweiten Humanitätsklasse (Sexta) machte Kapper eine Reise kreuz und quer durch Böhmen, um verfallene Burgen zu erklettern, alte Kirchen aufzusuchen, nach historischen Spuren zu forschen, in Wirklichkeit aber, um eine Zeitlang ein zielloses, abenteuerliches Wanderleben zu führen. Schon in jungen Jahren zeigt sich bei ihm eine Reiselust, die ihn zeitlebens nicht verließ. ★ Im Herbst 1837 bezog Siegfried Kapper die Philosophie am Prager . Klementinum .26 Er hatte schon ein Jahr vorher diese Schule zu besuchen begonnen. Wegen einer Karikatur, die er über eine seinen Eltern befreundete Familie machte und derentwegen er beim Kreuzherrenprior Dr. Beer, dem Direktor der philosophischen Studienanstalt, verklagt wurde, erhielt er eine admonitio gravis, die ihn veranlaßte, aus der Schule wegzubleiben.27 Im Herbste des Jahres 183628 ging er nach Wien, um dort weiterzustudieren. Aber zu unbeholfen, um sich allein fortzubringen, 327