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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 301

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 301)
Language
German
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IRI
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Paris und nach Frankreich gehen — so räsonnieren sie fatalistisch —, was werden wir davon haben? Wir werden auch dort arm bleiben wie hier. Wir können nicht französisch, wir könnten uns nicht einmal durch Betteln ernähren; so sparen wir uns den Weg und bleiben hier; da wissen wir wenigstens, wie wir dran sind." Auch dem Caslauer Kreishauptmann war es nicht gelungen, eine direkte Einwirkung des Auslandes auf die heimische Judenschaft festzustellen. Die landesfürstlichen Behörden waren zwar schlecht informiert und das lag an der Unvollkommenheit der damaligen Polizeimethoden, denn es ist nicht zu bezweifeln, daß die Pariser Verhandlungen auch in der Habsburgermonarchie von der intelligenteren Judenschaft mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurden, namentlich in Böhmen, wo das kulturelle Gesamtniveau der jüdischen Bevölkerung von allen österreichischen Ländern verhältnismäßig am höchsten stand. Daß die junge jüdische Intelligenz von Napoleon mit Begeisterung sprach, das stellte übrigens selbst die Prager Polizei vom jungen Prager Handelsmann Lederer fest; dieser hatte nämlich in Dresden aus seiner Verehrung für Napoleon kein Hehl gemacht und behauptet, es könne ihm selbst ein Gott nicht widerstehen. Der Teplitzer Polizeikommissär nahm zwar den jungen jüdischen Enthusiasten, der übrigens einen regelrechten Reisepaß besaß, in Schutz, mußte aber trotzdem zugeben, daß Napoleons Tätigkeit von der Judenschaft in Böhmen sympathisch aufgenommen werde. Als daher am 21. Mai 18073 der Oberstburggraf Wallis dem Polizeiminister über das Ergebnis der bisherigen amtlichen Erhebungen zusammenfassend berichtete, konnte er sich schlechterdings nur auf die oberwähnten wenigen amtlichen Meldungen politischer Stellen beziehen. Es war nicht gelungen, festzustellen, ob auch nach Böhmen eine Einladung zur Beschickung des Pariser Sanhedrins abgesandt worden sei. Nur im Taborer Kreise war man auf eine Kopie des Kongreßzirkulars und auf eine einschlägige Drucksache gekommen, aber die Kopie erwies sich als aus einer Zeitung abgeschrieben. Von einer Beteiligung der böhmischen Judenschaft am Pariser Kongreß war also nach amtlichen Informationen noch keine Rede gewesen. Wallis stützte sich vor allem auf die oberwähnte Relation des Caslauer Kreishauptmanns und berichtete daher im allgemeinen optimistisch nach Wien, um die Befürchtungen des Kaisers zu zerstreuen. Nach dieser Schilderung bezeichneten die gelehrten Juden die napoleonische Aktion als „Prahlerei", darauf berechnet, die Juden politischen Zwecken dienstbar zu machen, und sie versprachen sich davon keinen Erfolg. Aber auch die indifferenten Juden, die zeitgemäßen Reformen jüdischer Religionsvorschriften nicht abhold seien, hätten danach kein Vertrauen zur französischen Regierung, wie- 290

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