Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 299

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 299)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2644300-2644315--2703-2647049
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

hedrins, von dem sie sich namentlich auch eine Besserung der Rechtslage der Judenschaft auch in andern Ländern versprächen, vor allem in den österreichischen Staaten. Nur von der Herrschaft Petschau langte die Nachricht ein, aus Frankfurt sei in Kirchenbirk ein gedrucktes Büchlein mit dem Rundschreiben zur Teilnahme am Pariser Sanhedrin eingelangt, doch gelang es nicht, nähere Informationen darüber einzuziehen . In Wien waren die Polizeistellen inzwischen neuerdings beunruhigt durch einen Brief, in welchem der Wiener Großhändler Eskeles vom Pariser „Assemble des Frangois et Italiens, professant la loi de Moyse" aufgefordert wurde, der Wiener Judengemeinde die Einladung zur Teilnahme am Pariser Synedrium mitzuteilen. Sumerau machte daher Wallis neuerdings aufmerksam, ähnliche Einladungen könnten auch anderen bedeutenderen Juden zugegangen sein; er betonte das besondere Interesse des Kaisers an der Sache und mahnte den Oberstburggrafen zu unablässiger Vorsicht und namentlich zu verschärfter Kontrolle der Passantenkonsignationen an den Staatsgrenzen. Auch dieser neue Auftrag des Polizeiministers ging umgehend allen in Betracht kommenden Behörden zu, ohne daß es jedoch gelungen wäre, in dieser Frage verläßlichere Nachrichten zu erlangen. Der Prager Post glückte es zwar anfangs November einen Brief aufzufangen, den der Delegat des niederrheinischen Ufers David Sinzheim an den Prager Rabbiner Benedikt Jeiteles sandte und der eine verfängliche Beilage enthielt; sie fehlt in den Akten. Es wurde auf den Bunzlauer Schulsinger Anschill Hirsch oder mit seinem neuen Namen Adam Vorsinger aufmerksam gemacht, der trotz seiner scheinbaren Anhänglichkeit an die alte Lehre den Behörden verdächtig war und auch von der Bunzlauer Gemeinde entlassen wurde. Aber sonst vermochten die Behörden nichts festzustellen, was auf eine unmittelbare Verbindung der böhmischen Judenschaft mit dem Pariser Sanhedrin hingedeutet hätte. Aus Wien traf mittlerweile am 2. November eine neuerliche Warnung des Polizeiministers ein: es sollte ein besonderes Augenmerk namentlich den jüdischen Fortschrittlern geschenkt werden, die sich dem Deismus näherten und auf die deshalb die Pariser Verhandlungen günstiger wirken dürften als auf die orthodoxen Anhänger der alten Lehre. Aber auch dann vermochten weder die Prager noch die landesfürstlichen Behörden der Provinz nach Wien etwas zu melden, was einen genaueren Einblick gewährt hätte, wie die böhmische Judenschaft über Napoleon und dessen politische Ziele wirklich dachte. Ebensowenig zeitigte die verschärfte Kontrolle der jüdischen Korrespondenz ein Ergebnis, vermutlich deshalb, weil sich die Juden nicht der regelmäßigen Postkurse, sondern wohl privater Boten bedienten, die sich der behördlichen Kontrolle entzogen. Einzelne aufgefangene jüdische Briefe, die 288

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.