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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 298

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 298)
Language
German
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IRI
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recht günstig. Die Stadthauptmannschaft meldete am 16. Oktober, die Pariser Einladung sei höchstwahrscheinlich nicht nach Prag gelangt; sie würde hier überdies kaum ein freundliches Echo finden. Die orthodoxen Juden, welche die Mehrheit ausmachten, seien gegen die Pariser Verhandlungen und sähen darin die Gefahr von dogmatischen Neuerungen; außerdem seien sie der Meinung, Napoleons Plan bringe der Judenschaft keinen Nutzen. Oberstkanzler und Polizeiminister ließen sich jedoch durch diese beruhigende Nachricht nicht davon abhalten, den weiteren Verlauf der Verhandlungen des Pariser jüdischen Tribunals genau zu verfolgen. Am 13. Oktober erhielt Wallis den neuerlichen Auftrag, bei der Postoberdirektion das heimliche Öffnen verdächtiger Korrespondenz prominenter Juden mit Frankreich sowie der an ihre Adresse einlangenden Privatbriefschaften zu veranlassen — Zweck dieser Verfügung sollte es keineswegs sein, diese Briefe aufzuhalten, sondern nur, sie zu öffnen und abzuschreiben , worauf sie an ihre Adresse zu leiten seien. Inzwischen begannen auch schon aus der Provinz die Berichte der Kreisämter über das Ergebnis ihrer Nachforschungen einzulaufen. Auch sie klangen sehr optimistisch. Von einer Einladung aus Paris hatten zwar auch die Kreisämter nichts ermittelt, aber vom Pariser Sanhedrin hatten die Juden aus der Tagespresse Kenntnis und sicherlich wurde darüber im Kreise der jüdischen Intelligenz lebhaft diskutiert. Nach dem Berichte des Bidschower Kreishauptmanns vermuteten die Juden, der Hauptzweck des Sanhedrins solle darin liegen, gewisse religiöse Mißbräuche abzustellen, z. B. hinsichtlich der verbotenen Speisen u. dgl., und eine Annäherung mit den übrigen Glaubensgenossen in andern Ländern anzubahnen . Der Bidschower Kreishauptmann war nach dem Ergebnis seiner Informationen persönlich davon überzeugt, die böhmischen Juden würden an den Pariser Verhandlungen gern teilnehmen, sie hielten aber mit ihren Sympathien zurück. Der Aufforderung des Präsidiums, deutlichere Beweise für diese vermeintlichen Sympathien der Juden für die Pariser Aktion beizubringen, konnte er jedoch nicht entsprechen. Die Gesamtstimmung unter der Judenschaft Böhmens schilderte eingehend der Elbogner Kreishauptmann; sein Bericht diente dem Gubernialpräsidium zum Teil als Grundlage für den Summarbericht an den Hof. Der gemeine Jude kümmert sich um die Pariser Verhandlungen nicht — führte der Elbogner Kreishauptmann aus. Die Rabbiner und die Mehrzahl denkender Juden seien der Meinung, Reformen in den jüdischen Bräuchen seien möglich und notwendig, da diese dem modernen Zeitgeist nicht mehr entsprächen, aber auf der anderen Seite fürchteten sie von dieser Reformaktion schlimme Folgen für die einfachen Juden. Neugieriger seien sie auf die politischen Auswirkungen des Pariser San- 287

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