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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 297

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 297)
Language
German
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IRI
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zur Teilnahme am Pariser alljüdischen Tribunal ergangen sei und was für einen Eindruck sie auf die böhmischen Juden gemacht habe. Sollte sich zeigen, daß die jüdische Gemeinde irgendwelche mit der Pariser Versammlung zusammenhängende Vorbereitungen treffe, so sei dies augenblicklich nach Wien zu melden und es seien sofort die nötigen Gegenschritte zu tun. Verdächtigen Juden sollte der Auslandspaß verweigert werden, doch nicht mit Berufung auf diese Weisung, sondern unter irgendeinem anderen Vorwand. Einzuschreiten war sofort, denn bereits auf den 20. Oktober war die Eröffnung des Pariser Hohen Rates festgesetzt .2 Schon tags darauf erhielt Wallis auch von der obersten Polizeistelle eine ähnliche Weisung. Auch der Polizeiminister Sumerau sah im Napoleonischen Plane des Pariser Sanhedrins eine politische Tendenz, dieselbe Taktik, mit der Napoleon der Freimaurerei eine politische Richtung gegeben hatte. Wallis wurde informiert, daß bereits am 18. September 1806 allen jüdischen Delegaten in Paris aufgetragen worden sei, alle Synagogen zur Entsendung von Deputationen zu diesem alljüdischen Synedrion aufzufordern . Unter Hinweis auf das große Interesse, welches Kaiser Franz I. dieser Aktion Napoleons entgegenbringe, forderte Sumerau Wallis auf, wie dies tags vorher bereits Ugarte getan hatte, allen mit dieser Frage zusammenhängenden Vorgängen ein scharfes Augenmerk zu schenken, namentlich der Frage, ob die Juden in Böhmen irgendwelche Verbindung mit Frankreich unterhielten. Wallis sollte daher heimlich die Korrespondenz der bedeutenderen Juden überwachen, feststellen, ob auch nach Prag eine Einladung zum Pariser Kongreß gelangt sei, und wenn dies der Fall, den Juden von einer Reise nach Paris abraten oder unter irgendeinem Vorwande die Reisepässe verweigern. Die Art der Durchführung dieser allgemeinen Verhaltungsmaßregeln stellte der Polizeiminister der Gewandtheit des Grafen Wallis anheim, eiferte ihn aber gleichfalls zu raschestem Einschreiten an. Seine Hauptaufgabe sollte die Feststellung bilden, ob die Juden in Böhmen irgendwelche Sympathie für Napoleon empfinden. Dieses doppelte Aviso, dessen Stilisierung der Bedeutung entsprach, die man in Wien der Sache beilegte, veranlaßte Wallis zu augenblicklichen Maßnahmen. Schon am 9. Oktober 1806 und dann neuerdings am 13. Oktober sandte er an die Prager Stadthauptmannschaft und an sämtliche Kreisämter einen strengvertraulichen Präsidialerlaß, in welchem der Inhalt der Wiener Dekrete weitergegeben und diese Behörden namentlich in der Paßfrage zur Vorsicht gemahnt und ihnen auferlegt wurde, in keinem Falle über den eigentlichen Grund dieser amtlichen Verfügung etwas verlauten zu lassen. Schon die erste Nachricht, die als Antwort auf den erwähnten Erlaß beim Gubernialpräsidium einlief, klang 286

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