Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 292)
- Language
- German
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Gegen diese Entscheidung erhebt aber die Kanzlei (23. April 1791) Vorstellungen. Sie weist auf das Patent von 1726 hin, das für dieses Vergehen die Strafe des Staupensehlages bestimmt habe, welche erst später durch eine Geldstrafe ersetzt worden sei, die nachträgliche Bezahlung der Taxe sei nur eine Entschädigung des Fonds. Wenn derlei Handlungen ungeahndet blieben, würde der größte Teil der Judenschaft sich ohne Konsens verehelichen und dergestalt vermehren, daß in Kürze der übrige Theil der Landeseinwohner, da er ihnen auch an Arglist weiche, werde Platz machen müssen. Der Kaiser möge strafen, da sich sonst für die Übertreter des Gesetzes der Vorteil ergebe, nicht entdeckt zu werden oder doch nur die einfache Taxe zu zahlen. Im Staatsrate bleibt Eger unter Berufung auf das Gnadenrecht des Kaisers bei der ursprünglichen Entscheidung; Reischach tritt jetzt der Kanzlei bei. Hatzfeld erklärt unter Berufung darauf, daß er das Land neun Jahre unter seiner Leitung gehabt, Straflosigkeit würde viele Juden verleiten, ein gleiches zu tun; doch beantragt er die Strafe auf die Hälfte zu ermäßigen. Im Sinne dieses Antrages entschied Leopold (Mantua, 18. Mai 1791): Bey der gegen die sich ohne Erlaubniß der Landesstelle vereheligenden Juden gesetzlich bestimmten Strafe hat es fortan zu bewenden, jedoch ist für den gegenwärtigen Fall diese Strafe, falls besagte zween Juden die Tax nachzutragen vermögen, auf die Hälfte zu ermässigen. 46 Archiv d. Min. d. I., IV. T., 1., Böhmen, Außenseite: 11.146. - ebendort. 48 Diese Angabe ist geschichtlich ungenau. Prag wurde von den Franzosen 1741 genommen; 1742 und 1743 wurde es von den Österreichern (zweimal) belagert. Jonathan Eibenschütz ging schon 1742 als Rabbiner nach Metz. (Dubnow, Weltgeschichte des jüdischen Volkes, VII., 354.) Der Jomkippur des Jahres 1741 fiel auf Mittwoch, den 20. September; die Franzosen und Baiern erschienen erst am 18. November vor Prag, die Sachsen am 22. In der Nacht vom 25. auf den 26. erstürmten die Verbündeten die Stadt. Gleichwohl ist die Darstellung in dem für die Beweisführung wichtigsten Punkte wahr. Der Kommandant von Prag, Feldzm. Graf Ogilvy, hatte nämlich schon Ende 1740 mit der Besserung der Befestigungen begonnen und die Bevölkerung zu den Arbeiten herangezogen. Vom September 1741 an, als der Angriff von der Oberpfalz drohte, wurden die Juden gezwungen, auch am Sabbat zu schanzen. (Weber Ottokar, Die Okkupation Prags durch die Franzosen und Baiern 1741 bis 1743, Prag 1896, S. 7-15.) 49 Archiv d. Min. d. L, IV. T., 1., Böhmen. -50 ebendort. 51 Die 13 Artikel des Judenthums aus dem Lekach toff (Gute Lehre) übersetzet samt einigen kleinen Anmerkungen. Einige kurze Proben mögen Form und Geist dieses Büchleins erkennen lassen. Es ist katechetisch in Fragen und Antworten gegliedert, sucht da und dort den Schein der sokratischen Methode zu erwecken. Schüler: Gott mit Euch! Lehrer: Der Herr segne dich; wer bist du mein Sohn? Schüler: Ich bin Euer Diener, der Gott den Schöpfer Himel und Erde ehrfürchtet, lobe und preise ihn, daß er mich in menschlicher Gestalt geschafen, und zum Juden gebildet hat. Lehrer: Der Herr schenke dir Gnade! sage nur doch zu welchem Endzwecke hat dich Gott in dieser herrlichen Gestalt geschaffen? Schüler: Er hat alles um seiner Ehre willen geschaffen! auch ich bin erschaffen worden, meinem Schöpfer zu dienen; Seine Herrlichkeit zu ehrfürchten und zu lieben; was ihm gefällig, auszuüben, ohne auf Belohnungen auszugehen; obwohlen zuletzt in jener Ewigkeit solche gewiß erfolgen werden, nemlich vor dessen Angesicht immerdar im ewigen Vergnügen fortzuleben. — Es wird die Frage nach dem Grunde des Glaubens erörtert und dann werden die 13 Grundartikel derart besprochen, daß eigentlich nur der Schüler sie samt ihrer Begründung wiedergibt. 281