Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 281)
- Language
- German
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c) Kleinere Gesuche. Die Haltung der Regierung Ähnliche Gesuche kamen mannigfach an den Kaiser, manchmal recht kleinlich, wie etwas das von vier Brandeiser Kaufleuten,79 die darum bitten, man möge den Juden daselbst den Spezereihandel untersagen, manchmal bedeutendere, wenn auch nicht so umfangreiche wie die böhmischen, seitens der Brünner, Lemberger, Pesther Kaufleute und Magistrate .80 Wie die regierenden Kreise dachten, zeigt unter anderem die Behandlung des Hof-Gesuches der Jungbunzlauer81 Weißgerberzunft, die verlangt, daß den Juden das Hausieren und der Handel mit rohem und ausgearbeitetem Leder verboten werde. Das hierüber vernommene böhmische Gubernium berichtete, den Juden sei durch keine a. h. Entschließung der Handel mit diesen Waren untersagt. Und da die Weißgerber ihre Erzeugnisse selbst an die Handelsjuden verkauften, geschehe ihnen durch diese kein Eintrag. So lange also keine andere Vorschrift festgesetzt werde, hätten die Weißgerber keinen Grund, sich zu beschweren, und seien also abzuweisen. Dieser Meinung trat die Hofkammer, trat einstimmig der Staatsrat bei und demgemäß wies auch die kaiserliche Entschließung das Gesuch ab. Die Begründung dieser Abweisung war z. T. eine bloß formal juristische von zweifelhaftem Werte. Aber man wollte eben vorläufig keine sachliche Antwort geben, sondern alle diese Fragen im Zusammenhange mit der Aufstellung des neuen Judensystems lösen. Dazu ist es unter Leopold infolge seines unerwartet frühen Todes nicht gekommen. Aber gleichwohl ist all dies auch für die Folgezeit von höchster Bedeutung. Ungleich anderen Herrschern suchte Leopold — auch darin wahrhaft weise — seinen Nachfolger gründlich in die Staatsgeschäfte einzuführen. Er berief Franz in den Staatsrat und dort hatte der Kronprinz als letzter seine Stimme abzugeben, mehrfach in Abwesenheit des Kaisers sogar die Entscheidung zu fällen. Er war also genau bekannt wie mit allen anderen so auch mit dieser wichtigen Frage, als er nach dem jähen Hinscheiden seines Vaters am 1. März 1792 den Thron bestieg. 270