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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 278

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 278)
Language
German
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IRI
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ihm billige Ware anfertigen. Diese schlechtere, nur für das Auge hergerichtete Ware bringen die Juden auf die Jahrmärkte. Dort treffen sie früher ein als die christlichen Fabrikanten und Tuchmacher und bringen ihren Vorrat an den Mann. Die auf den Markt gebrachten currenten, d. h. solide gearbeiteten Waren der letzteren bleiben entweder unverkauft oder müssen um geringen Preis gegeben werden. Ganz ähnlich, nur etwas ausführlicher antworten die Taborer Tuchmacher. Sie bejahen noch überdies die Frage, ob die Juden durch Bankerott ihre Schulden tilgen, und behaupten, daß die Fabrikanten von ihnen halb an Material, halb an Geld verkürzt und betrogen werden. Die Taborer führen aber ungefragt noch einen andern Grund des Wollmangels an, einen Grund, der mit den Juden nichts zu tun hat: die veränderte Wirtschaftsweise der Gutsbesitzer. Diese verpachten Meierhöfe und Grundstücke gegen Zins auf Zeit oder emphyteutisch an ihre Untertanen, kassieren die Schäfereien oder verteilen sie gegen Zins an die Untertanen. Wo vorher von der Obrigkeit für 400 fl. Schafvieh unterhalten worden ist, findet sich jetzt nicht der zwanzigste Teil mehr und dies schädigt die Handwerker und verteuert das Erzeugnis. Wie aber kann geholfen werden? Die Hutmacher könnten bessere, der auswärtigen gleichwertige Ware erzeugen — daß die fremden Erzeugnisse im Wettbewerbe siegreich sind, weil sie besser sind, wird hier mittelbar zugestanden — wenn die Ausfuhr der Hasenbälge verboten würde (Prag) und die Juden vom Hasenfellhandel ausgeschlossen würden (Humpoletz). Daß das letztgenannte Mittel schon versucht worden ist, aber aufgegeben werden mußte, daran denkt man nicht. Ebenso fern liegt die Erwägung, ob nicht auch in der Art der Erzeugung etwas geändert, gebessert werden könnte. Die Prager und Neuhauser Gerber erblicken gleichfalls das einzige Heilmittel in der Ausschaltung des jüdischen Rohwarenhandels, in der Herstellung einer direkten Verbindung zwischen Gerbern und Fleischern. Auf die Mittätigkeit der Juden wollen sie freilich nicht völlig verzichten: diese sollen im Kleinhandel den Vertrieb der von den zunftmäßigen Meistern verfertigten und gestempelten Ware besorgen. Die Taborer fordern außerdem mit Rücksicht auf die Verhältnisse ihres Kreises das Verbot des Ankaufs der Häute und ihrer pfuscherischen Verarbeitung in den Lederhäusern durch die Juden. Sie alle versprechen, dann billigere und bessere Fertigware zu liefern zum Vorteile des Publikums und des Ärars für seinen Armeebedarf. Die Humpoletzer Tuchmacher wissen auch kein anderes Mittel als Verbot der Wollausfuhr, Verbot des jüdischen Handels und Wandels und der Kontrakte mit den Gutsbesitzern. Die Taborer Meister behaupten auch die Notwendigkeit des Ausfuhrverbotes, der Beseitigung 267

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