Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 277)
- Language
- German
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Hinsichtlich der Verwertung der Rohstoffe werfen die Hutmacher den Juden vor, daß sie den besten Teil außer Landes schwärzen. Wie, wissen sie nicht. — Das übrige verkaufen die Juden teuer an sie, geben es ihnen auch bloß zur Bearbeitung. Um nur leben zu können, müssen sie für die Juden leichte Ware erzeugen. Die armen Meister sind an die Juden gebunden, weil sie nur von ihnen Hasenbälge und Lammwolle bekommen können. (Prag) Die Humpoletzer berichten, daß die Juden die Bälge auf die Pilsener Märkte führen. Dort werden sie von Frankfurter und anderen Fremden aufgekauft und außer Landes geschleppt. Die Juden geben die Felle und Häute bar um 20%, gegen Kredit um 50% teurer, als der Gerber sie aus der Hand des Fleischhauers oder Landmannes erhalten könnte. (Daß Sammeltätigkeit und Verfrachtung, auch die Einlagerung Kosten verursachen, wird nicht beachtet.) Sie sortieren das Fellwerk, senden das beste außer Landes und verkaufen das schlechtere zu teuern Preisen den Meistern. Müssen diese gar den wucherischen Kredit nehmen und können sie nicht rechtzeitig zahlen, so werden sie zugrunde gerichtet. Sie müssen die fertige Ware billiger verkaufen, als sie das Rohmaterial gekauft haben, kommen an den Bettelstab und sinken zu Lohnwerkern der Juden herab, die schlechte Ware erzeugen. Aber auch die wohlhabenderen Meister müssen infolgedessen des Wettbewerbes halber billigere, also schlechtere Ware erzeugen. Die Taborer Gerber fügen hinzu, daß die Juden die besten Häute für sich behalten, sie in den von ihnen gepachteten Lederhäusern — es werden 18 Orte genannt — betrügerisch und pfuscherisch, nur für das Auge, ausarbeiten, auf den Jahrmärkten dieses Leder wohlfeiler ausbieten und so das Publikum und das Ärar schädigen (Armeebedarf!) —die Neuhauser Meister sind insoferne besser daran, als sie keinen Kredit brauchen, bemerken jedoch, daß der mittellose Meister bei der Übernahme der Häute gleich die Wolle abnehmen und dem Juden geben muß, damit ja der Arbeiter nicht mehr als seinen äußerst gedrückten Lohn bekomme. Die jüdischen Wollhändler betrügen die Tuchmacher, indem sie zur Gewichterhöhung Sand, Lehm, Salz in die Säcke geben, außen schöne Wolle legen, in die Mitte aber schlechte, von gefallenem Vieh und dergleichen. Daß hier Einzelfälle verallgemeinert werden, ergibt sich aus der Natur der Sache. Die weitere Klage geht auch hier dahin, daß die beste Ware ins Ausland geschafft werden kann, wo die Juden 10, 12, 15 fl. mehr für den Zentner bester Wolle erhalten, die sie nur auszusuchen brauchen. Die schlechtere Ware verkaufen sie mit 30% Gewinn an die inländischen Fabrikanten. Daher sind die inländischen Fabrikate teurer als die ausausländischen . Auch hier wirkt sich die Kreditnahme zum Verderben der Schuldner aus. Wer mit dem Juden in Geschäftsverbindung steht, muß 266