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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 265

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 265)
Language
German
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den Wechselschulden nichts wußten und sich zu spät sicher stellen wollten. Zweitens beweist dieser Vorfall „unwidersprechlich", daß die in der Königl. Landtafel und in den Stadtbüchern vorgemerkten Kapitalien kaum die Hälfte ihres Ausstandes betragen dürften, da die Juden die Vormerkungen solange verschieben, als sie glauben, durch Wechsel-, Über- und Zuschreibungen profitieren zu können, und sich erst dann plötzlich sicherstellen lassen, wenn das Vermögen des Schuldners erschöpft ist. Als Gegenstück zu diesem Fall Desfours wird der des Grafen Louis Hartig hingestellt, der jüdische Gläubiger vermied, und dem noch 200000 fl. verblieben, trotzdem er bei jährlichen 70000 fl. Einkommen 27 Jahre den glänzendsten Aufwand machte und 2590000 fl. durchbrachte. Diese Fälle beweisen aber gar nichts, da die Anlage wohl alle die zahlreichen, meist verhältnismäßig kleinen Schuldbeträge Desfours aufweist, aber gar keinen Einblick in die Art seiner Wirtschaft, den Gesamtvermögens- und Schuldenstand gewährt; und von Grafen Hartig erfahren wir nichts, als was im Text gesagt ist. Damit soll selbstverständlich die Wucherpraxis nicht geleugnet, noch weniger beschönigt werden. Die Creditwerber aber sind — dies wird immer wiederholt — gezwungen, sich an die Juden zu wenden, weil sie anders Geld nicht erhalten können; dadurch werden besonders die Kommerzialprofessionisten und die Kaufleute geschädigt. Die Juden sind auch mit Rücksicht auf ihr Vermögen zu wenig besteuert, wenn sie jährlich 216500 fl. zahlen, während die übrige Bevölkerung 5270488 fl. 44 kr. entrichtet. — Vergleicht man mit Benützung der Denkschrift selbst Bevölkerungszahl und Steuerleistung, so ergibt sich ein ganz anderes Bild. Wäre die Judenschaft im gleichen Verhältnis besteuert gewesen wie die übrige Bevölkerung, so hätte sie nur 67723 fl. jährlich zu zahlen gehabt. Sie war also tatsächlich dreimal so hoch besteuert als die übrigen Landesbewohner, ihre höhere Steuerkraft demgemäß recht stark in Rechnung gestellt. Dazu kamen noch die Schuldigkeiten , die die Landjudenschaft an ihre Schutzobrigkeiten zu entrichten hatte. Die Christen, die noch nicht an den Bettelstab gebracht sind, müssen jetzt höhere Steuern zahlen als früher, weil sie für das aufzukommen haben, was an Beiträgen der zugrunde Gerichteten von der Steuerleistung abfällt. Halten sich alle die bisherigen Anschuldigungen und Beschwerden immerhin an, ob auch unzureichend festgestellte, irrig, feindselig gedeutete Tatsachen, so steigen die weiteren Anklagen ins bösartig Phantastische. Die Juden werden, wenn sie Böhmen ausgewuchert haben, mit dem Vermögen auswandern. Aber noch größeres Unheil droht. Noch, als sie geringer an Zahl waren „haben sie sich nicht der Brunnen- und Arzneivergiftungen gegen die Christen bedient? Raubten und mordeten sie 254

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